Wien. Als drittes Land der EU hat Österreich im Vorjahr das Klimaabkommen von Paris ratifiziert: Die Erderwärmung soll demnach bis 2050 auf weit unter zwei Grad Celsius begrenzt und die Nutzung fossiler Energien beendet werden. Tatsache ist jedoch dem Sachstandsbericht zum Klimawandel zufolge, dass die Temperatur in Österreich im Vergleich zu 1880 um fast zwei Grad Celsius gestiegen ist. Bis 2100 wird sie um weitere 3,5 Grad Celsius anwachsen. Global gesehen, hat sich die Durchschnittstemperatur seit 1880 um 0,85 Grad Celsius erhöht - in Österreich besteht also größerer Handlungsbedarf.

Sanierungsscheck gekürzt


Derzeit scheint es allerdings so, als würde Österreich in gewissen Bereichen auf der Stelle treten. Etwa, was die Gebäudesanierungen betrifft. Theoretisch wäre politisch akkordiert, bis 2050 eine Sanierungsrate von drei Prozent zu erreichen. Sie ist jedoch von einem Prozent 2010 auf 0,5 Prozent zurückgegangen. Und der Sanierungsscheck für thermische Sanierungen wurde 2015 um ein Drittel gekürzt.

Das sei freilich der falsche Weg, hieß es am Mittwoch von den Umweltschutzorganisationen Global 2000, Greenpeace und WWF. Dennoch sei es möglich, die Ziele zu erreichen. Wie, das zeigten sie anhand der gemeinsamen Studie "Energie- und Klimazukunft Österreich". Grundvoraussetzung ist demnach, den Energiebedarf bis 2050 gegenüber 2013 um fast die Hälfte zu reduzieren. Dann könnten Kohle, Öl und Gas durch erneuerbare Energieträger wie Photovoltaik oder Wind ersetzt werden.

Um weniger Energie zu verbrauchen, müsste man den Umweltschutzorganisationen zufolge erst einmal im Gebäudebereich ansetzen und die Sanierungsrate - durch höhere Förderungen -auf die drei Prozent anheben. Der Verkehr müsste bis 2050 halb öffentlich und halb elektrisch sein. In der Produktion müsste die Elektrostahlproduktion Hochöfen ablösen, im Energiebereich müsste man umweltschädliche Subventionen wie die Ausnahme der Flugtickets von der Mehrwertsteuer abbauen.

Der Verein "Umwelt Management Austria" war im Rahmen einer Studie im Vorjahr zu dem ähnlichen Schluss gekommen, dass die Klimaziele ohne eine Halbierung des Bruttoinlandsverbrauchs an Energie schwer erreichbar seien. Zudem müsste Strom zum Hauptenergieträger des 21. Jahrhunderts werden. Bereits jetzt wird Strom zu 80 Prozent aus Erneuerbaren erzeugt. Gemessen am Endenergieverbrauch hatte Österreich zuletzt einen Erneuerbaren-Anteil von 33 Prozent - das ist EU-weit der vierte Platz.

Dass ein reduzierter Energieverbrauch der Schlüssel zur Erreichung der Klimaziele sein kann, ist freilich auch der Regierung bewusst. Bereits im Juli 2014 hat Österreich das Energieeffizienzgesetz beschlossen, das 2015 in Kraft trat, wonach der Energieverbrauch jährlich um 0,6 Prozent sinken soll. Energielieferanten wurden etwa verpflichtet, im Ausmaß von 0,6 Prozent der im Vorjahr an inländische Kunden gelieferten Energie Einsparmaßnahmen wie Gerätetauschaktionen oder Energieberatungen zu setzen. Sie übertrafen die gesetzlichen Vorgaben - von einer Halbierung des Verbrauchs ist man aber noch weit entfernt.

Auch die kleine Ökostromgesetz-Novelle, die im Februar den Ministerrat passierte, ist ein Schritt. Sie bringt unter anderem Erleichterungen für Photovoltaik-Anlagen auf Mehrfamilienhäusern und eine Fristerstreckung für Windkraft-Anträge von drei auf vier Jahre. Die große Ökostromreform soll bis Jahresende kommen.

Mehrere Ministerien involviert


Umwelt-, Verkehrs- und Wirtschaftsministerium sind jeweils nur für einen Teilbereich in Sachen Klima zuständig. Dem Verkehrsministerium zufolge sei diese Aufteilung aber kein Problem, die Initiative zum E-Mobilitätspaket zeige etwa, dass mehrere engagiert am selben Ziel arbeiten könnten. Insgesamt stehen im Rahmen dessen 72 Millionen Euro bereit, um etwa den Kauf von E-Fahrzeugen zu fördern. Seit März gibt es eine Ankaufprämie von 4000 Euro für alle privaten Käufer. Auch den Schienenausbau habe sich der Verkehrsminister zum Ziel gesetzt, heißt es. Umwelt- und Wirtschaftsministerium verweisen auf die Energie- und Klimastrategie, deren Erarbeitung sich die Regierung im neuen Arbeitsprogramm vorgenommen hat.