Sarids Cousin etwa habe sogar ein lebenslanges Einreiseverbot in die Türkei ausgefasst. Türkische Staatsbürger, also jene, die keinen österreichischen Pass haben, würden sogar inhaftiert und in manchen Fällen angeklagt. Ihre Familien vor Ort müssen mit Repressalien rechnen. Und auch in Österreich würden viele Kritiker unter Druck gesetzt, anonym am Telefon bedroht. Für die Befürworter des türkischen Regimes sind die kritischen Stimmen der "eigenen Leute" besonders unangenehm, während die Kritik der EU-Politiker eher für die eigenen Zwecke verwendet wird.

"In einem demokratischen Staat sollte jeder Bürger das Recht haben, auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren. Aber wer für die Abschaffung der Demokratie und die Todesstrafe wirbt, hat hier nichts verloren. Diese Leute sollen bitte nach Hause gehen", meint Sarid. Doch auch die Kritiker des Erdogan-Regimes sind großteils gegen ein generelles Wahlkampfverbot für ausländische Politiker in Österreich, wie das derzeit von der Regierung diskutiert wird. Kein Wunder, denn das könnte unter Umständen auch sie treffen, etwa wenn sie zu Veranstaltungen mit Oppositionspolitikern laden. Allerdings kritisieren sie die fehlende Solidarität der heimischen Politik mit den kritischen Stimmen in der Community. Man habe jahrelang bewusst weggesehen, während der politische Islam und die AKP in Österreich immer mächtiger wurden und die Integration sabotieren, so der Austrotürke aus Wien.

Und wie zahlreich Erdogans Gefolgschaft mittlerweile ist, kann man dieser Tage auch auf den Straßen Wiens sehen. In zahlreichen türkischen Geschäften kleben Evet-Poster in der Auslage. AKP-nahe Vereinsmitglieder stecken Flyer in ausgewählte Postkästen, die ihre Gegner manchmal wieder herausziehen.