Branchen gegen einen Generalkollektivvertrag


Das wollten aber naturgemäß viele Branchen nicht, weil die Kollektivverträge auf die jeweilige Arbeitssituation maßgeschneidert seien. Und es habe ja auch geklappt, 2009 sei überall, wo die WKO zuständig sei, ein Mindestlohn von 1000 Euro erreicht worden. Mit Ausnahme eben der Freien Berufe.

Nach und nach bereiten sich die Branchen bereits auf diese neue Anforderung vor. Zuletzt haben die Rechtsanwälte bekannt gegeben, dass man überlege, in zwei bis drei Jahren den derzeitigen Mindestlohn von 1250 Euro brutto auf 1500 Euro zu erhöhen. "Wir werden danach trachten, das anzupassen", sagte Rupert Wolff, Präsident des Österreichischen Rechtsanwaltskammertages (Örak), zum "Kurier" (Montagausgabe).

Kürzlich haben sich die Gastronomen und die Textilreiniger darauf geeinigt, den Mindestlohn von derzeit 1420 im nächsten Jahr auf 1500 Euro anzuheben. Die Schädlingsbekämpfer hatten im Februar vereinbart, künftig über 1500 Euro zu zahlen.

Vergangene Woche haben sich die Sozialpartner der Elektro- und Elektronikindustrie, die die Frühjahreslohnrunde einläuten, auf eine Anhebung des Kollektivvertrages um 1,7 Prozent geeinigt. Ihr Mindestlohn liegt künftig bei 1750 Euro.

Es bestehe aber ein gewisses Verständnis bei den Branchenkollektivvertragspartnern, dass es nicht überall gleich schnell gehen wird. So lägen etwa die Beschäftigten der Lederindustrie, der Wäschereien und der Textilreinigungen bei Einkommen von 1300 Euro, manche auch darunter.

Eine spezielle Schwierigkeit sieht Achitz auch bei den Friseuren, die im ersten Halbjahr, nachdem sie ausgelernt sind, nur 1150 Euro erhalten und dann erst im zweiten Berufsjahr auf 1300 Euro kommen.

Achitz: 1500 Euro sind
nur eine Etappe zum Ziel


Dennoch sei das Ziel der Gewerkschaften ja ein viel höheres: "Wir haben 1700 Euro als Ziel vereinbart. Die 1500 Euro sind nur eine Etappe auf dem Weg da hin", sagte der Spitzengewerkschafter. Mit dieser Forderung befindet sich der ÖGB aber nicht alleine: Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Sora für die Volkshilfe (1058 Befragte) vom März 2016 sind 86 Prozent der Österreicher für einen Mindestlohn von 1700 Euro.

Auch die SPÖ-Frauen haben bereits im Vorjahr einen Mindestlohn von 1700 Euro gefordert. Und die Grünen haben sich ebenfalls bereits auf 1700 Euro festgelegt.