Wenn es ein Stereotyp punkto Asylwerbern gebe, dann dieses: Sie sind mehrheitlich jung, männlich und nachtaktiv, so Schabhüttl, der Traiskirchen 13 Jahre leitete und am 1. April in den Ruhestand tritt. Die meisten Flüchtlinge sind demnach nicht wegen akuter Lebensbedrohung von einem Land in das nächste sichere gegangen, sondern auf der Suche nach besseren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Sie haben ihre Flucht großteils daheim bei Schlepperbanden gebucht und viel Geld dafür bezahlt. Ihr Hauptproblem besteht darin, dass sich die Versprechungen der Schlepper als Lügen herausgestellt haben und viele schon deshalb nicht mehr heim können, weil sie sich für ihre Flucht verschuldet haben und daheim ihr Gesicht verlieren würden. Für knapp 40 Prozent aller Flüchtlinge im Jahr 2016 lag objektiv betrachtet nie ein Fluchtgrund vor, so der Leiter von Traiskirchen.

"Ein paar Wahrheiten aussprechen, die niemand hören wollte"

Schabhüttl und Wetz geht es mit ihrem Buch darum, "ein paar Wahrheiten auszusprechen, die in den vergangenen Jahren niemand hören wollte". Es handle sich nicht um eine Abrechnung, sondern um seine persönliche Wahrnehmung und subjektive Wahrheit, betonte Schabhüttl bei der Bundpräsentation. Es sei bedauerlich, dass der Bevölkerung stets ein verzerrtes Bild dieser nüchternen Wirklichkeit präsentiert werde. "Im Klartext heißt das, dass die Österreicher nur ausgesuchte und der eigenen Agenda dienliche Details aufgetischt bekommen, was eine vernünftige Asyl- und Integrationspolitik erschwert bis unmöglich macht."

Mit eigenwilligen Interpretationen der Realität werde öffentlicher Druck aufgebaut, der falsche Maßnahmen auslöst. Als Beispiel dafür nennen Schabhüttl und Wetz ein von Christian Konrad in seiner Funktion als Flüchtlingskoordinator der Bundesregierung urgiertes Warte- und Obdachlosenzelt, das eine siebenstellige Summe verschlungen habe, aber eigentlich nie notwendig war. Der Politik wirf Schabhüttl Aktionismus vor. Als Niederösterreich 2014 etwa einen gewerberechtlichen Aufnahmestopp in Traiskirchen verfügt hatte und der private Partner ORS keinen neuen Flüchtlinge versorgen durfte, musste sich das Innenministerium wieder selbst um die Flüchtlinge kümmern. Die Folge: 4.500 Beamten-Überstunden und Zusatzkosten von über einer Million Euro.

Anpassung an Genfer Flüchtlingskonvention nötig

Als Kernproblem des Asylwesens ortet Schabhüttl die Genfer Flüchtlingskonvention. "Es gibt keine andere Möglichkeit zu kommen als über ein Asylverfahren, und wenn jemand über ein Asylverfahren kommt, ist der Staat gezwungen, mit ihm umzugehen. Der Staat macht sich damit zum verlängerten Arm der Schlepper und die NGOs verdienen dabei durch Betreuung etwa im medizinischen, psychologischen oder rechtlichen Bereich, weil sie den Staat mit dem Zeigefinger der eigenen Moral vor sich hertreiben. Die Schlepper entscheiden, wen sie bringen, und sie bringen vorwiegend die unteren sozialen Schichten."

Der Staat müsse deshalb in den Herkunftsländern stärker kommunizieren, was Asylwerber wirklich erwartet, und eine Möglichkeit zur Zuwanderung außerhalb der Asylschiene schaffen, über die er selbst bestimmt. So müssten potenzielle Einwanderer etwa eine Möglichkeit haben, in ihrem Heimatland Einwanderungsanträge zu stellen. "Diese Dinge wurden bereits diskutiert und immer als unmöglich eingestuft. Für die Schließung der Balkanroute galt lange das gleiche, und es hat dann doch geklappt."

Die aktuelle Lage im Flüchtlingslager Traiskirchen bezeichnete Schabhüttl als "ruhig". Der "Belagstand" pendle seit Monaten zwischen 500 und 700 Flüchtlingen.