Wien. (kats) Jetzt ist es also fix. Schon im Jänner hatten die über "Profil" bekannt gewordenen Gutachten im Auftrag der Agentur für wissenschaftliche Integrität nichts Gutes für Christian Buchmann vermuten lassen. In der Dissertation des steirischen ÖVP-Landesrats aus 2000 seien nicht nur zahlreiche Plagiatsstellen zu finden, sondern auch wissenschaftliche Schwächen, hieß es in dem einen. Und der andere - ebenfalls anonyme - Gutachter empfahl gar die Aberkennung der Promotion.

Dies ist Mittwochfrüh geschehen. Die Universität Graz hat dem Wirtschafts- und Kulturlandesrat per Bescheid den Doktortitel aberkannt. Buchmann meinte, er habe es laut Bescheid "in Teilen der Arbeit unterlassen, die vollständige und umfängliche Zitierung von Werken anderer Autoren entsprechend zu kennzeichnen". Das tue ihm "persönlich sehr, sehr leid. Dafür möchte ich mich auch entschuldigen". Gleichzeitig gab er bekannt, dass er nicht vorhabe, gegen den Bescheid zu berufen. Buchmann bleibt nach der Aberkennung der Mastertitel.

Buchmann gestand Fehler ein: "Ich habe es offenkundig handwerklich nicht gut gemacht. Natürlich würde ich 17 Jahre später vieles anders machen". Eines habe er nicht gemacht: "Ich habe nicht getrickst", sagte er und bat "einen Fehler, der mir offenkundig passiert ist, nachzusehen".

Rückendeckung

Einen Rücktritt wie der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zieht Buchmann nicht in Erwägung: Schon als im Sommer 2016 erste Plagiatsvorwürfe durch ein Gutachten des Plagiatsjägers Stefan Weber bekannt wurden, erklärte er, sein Beruf habe mit dem Studium nichts zu tun. Rückendeckung bekam er vom ÖVP-Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer. Die Aberkennung sei zur Kenntnis zu nehmen. Buchmanns Wissen und Einsatz für die steirische Wirtschaft seien aber unbestritten, daher solle er "eine tragende Säule unserer Arbeit für die Steiermark bleiben", teilte er mit.

Für den steirischen FPÖ-Wirtschaftssprecher Gerald Deutschmann ist der Vertrauensverlust allerdings "schwerwiegend und nicht hinnehmbar. Der Grazer ÖVP-Bürgermeister Siegfried Nagl äußerte die Vermutung, dass es in der ganzen Plagiats-Affäre "nicht um lautere Interessen" gehe.

Tatsächlich erhält Stefan Weber seine Prüfungsaufträge zum überwiegenden Teil, "mit dem Motiv, jemandem beruflich zu schaden", sagt er zur "Wiener Zeitung". Eine Untergrenze, ab wann eine Arbeit als Plagiat gilt, gibt es nicht: Er verweist auf Judikatur des Verwaltungsgerichtshofs, wonach ein Plagiat dann wesentlich ist, wenn eine korrekte Kennzeichnung zu einer schlechteren Note geführt hätte. Das hält er aber für "Schwachsinn" - die Annahme müsste viel eher lauten, dass der Begutachter die Arbeit gar nicht erst angenommen hätte. Dass der Professor die Arbeit annimmt, ist kein Garant dafür, dass sie kein Plagiat ist. Sie muss der "objektiven Betrachtung" standhalten.

Dass in letzter Zeit oft ältere wissenschaftliche Arbeiten von Plagiaten betroffen sind, hängt laut Weber damit zusammen, dass sich etwa in den 1980er Jahren noch niemand vorstellen konnte, dass die Quellen digitalisiert und mit einer Software überprüft werden könnten. Ob die Verfehlungen in Betrugsabsicht oder aus Schlampigkeit passiert sind, könne man heute nur noch schwer nachvollziehen: Er selbst habe Zitierleitfäden bis in die frühen 1970er zu Hause, die teils strenger seien als die heutigen. Andererseits müsse wohl erst erforscht werden, ob "diese an manchen Unis nicht eher augenzwinkernd ausgelegt wurden".