Wien. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. "Judäische Volksfront gegen Volksfront von Judäa", war am Sonntagabend nach der ORF-Sendung "Im Zentrum" in den sozialen Netzwerken zu lesen. Vor laufender Kamera trugen die Grünen-Parteichefin Eva Glawischnig und Flora Petrik, Bundessprecherin der Jungen Grünen (JG), den innerparteilichen Streit aus.

Auf Twitter ergingen sich die Nutzer in Häme über den Kampf zwischen der - seit Ende März ehemaligen - grünen Jugendorganisation einerseits und den "Grünen und alternativen Student_innen" (Gras) sowie der Bundespartei andererseits. Vertreter der jeweiligen Fraktionen befetzten sich öffentlich: "Billig" sei der "Putschversuch" der Jungen Grünen gewesen, schrieb die Gras-Aktivistin Viktoria Spielmann.

Hintergrund: Die Jungen Grünen unterstützen eine Abspaltung der Gras in Linz und Graz, die Grünen Studierenden, für die ÖH-Wahl im Mai. Die Partei müsse offener werden, es brauche mehr interne Mitbestimmung, Eva Glawischnig solle den Weg freimachen für neue Kräfte, forderte Petrik. Nach Wochen des Streits kündigte Glawischnig schließlich die Zusammenarbeit mit den Jungen Grünen auf. Dafür gab es Kritik aus den eigenen Reihen, der öffentliche Streit lässt Glawischnig und ihre Partei beschädigt zurück. Am Montag allerdings zeichnete sich ein Ende der grünen Grabenkämpfe ab.

Junge Grüne stehen zu Kritik

Schon vor dem Aufeinandertreffen mit Petrik hatte Glawischnig zurückgerudert und der geschassten Jugendorganisation ein Kompromissangebot unterbreitet: Es stehe den Landesorganisationen der Partei frei, weiter mit den Jungen Grünen zusammenzuarbeiten. Mit Flora Petrik und dem Rest des insgesamt siebenköpfigen Vorstands der Jungen Grünen aber sei für sie keine Zusammenarbeit mehr denkbar - "auch von meiner persönlichen Seite nicht", wie Glawischnig betonte. Sprich: Petrik muss weg, damit der Weg für eine weitere Zusammenarbeit wieder frei wird.

Am Montag lenkte die streitbare 22-jährige Burgenländerin an der Spitze der Jungen Grünen ein. Der amtierende Vorstand der Jungen Grünen wolle beim bevorstehenden Bundeskongress der Organisation im Juni nicht mehr kandidieren, ließ Petrik in einer Aussendung wissen. Gegenüber der "Wiener Zeitung" betonte sie allerdings, dass die Landesorganisationen der Jungen Grünen voll hinter ihr stehen würden. Und: Sie wolle am Bundeskongress dafür sorgen, dass jene, die in der Partei bleiben wollen, dies auch tun können; jenen aber, die es "woanders hinzieht", wolle sie ebenfalls eine "Perspektive ermögliche". Die Jungen Grünen würden darüber hinaus zur Kritik an der Bundespartei stehen, schließlich seien die Punkte und Forderungen auch demokratisch beschlossen worden.

Ein Pflichtenheft

Gut möglich also, dass das letzte Kapitel im internen Kampf der Parteijugend noch nicht geschrieben ist. Schließlich hätten viele Junge Grüne "nach den Ereignissen der vergangenen Wochen kein Interesse mehr, in der Partei aktiv zu bleiben", so die Jungen Grünen in besagter Aussendung.

Immerhin: Bis zur Perspektivenkonferenz der Jungen Grünen am 1. Mai will die Organisation zusammen mit der Parteichefin Vorschläge erarbeiten, was "gegenseitige Erwartungen, Rechte und Pflichten in der Zusammenarbeit zwischen Partei und Jugendorganisation" angehe. An den Gesprächen sollen Delegierte der neun Landesorganisationen und der Jungen Grünen teilnehmen. So sollen die "wiederkehrenden strukturellen Probleme zwischen Partei und Jugendorganisation besser bewältigbar werden. Die Jungen Grünen wollen künftig eine "Direktwahl der Spitzenkandidatin durch alle Mitglieder" nach dem Vorbild der deutschen Grünen.

Unklar war am Montag, ob die Grünen Studierenden tatsächlich bei den ÖH-Wahlen mit einer eigenen grünen Liste antreten werden. Die Gras kümmert dies wenig, man konzentriere sich auf einen "linken Wahlkampf" und sei seit Jahren erfolgreich, so eine Sprecherin der Gras.