Mindfulness ist inzwischen eine Milliarden-Dollar-Industrie und verfehlt das, was wir von der indischen Zivilisation lernen können. Achtsamkeit ist eine Ablenkung, fast wie die Unterhaltungsindustrie, fast als würden wir abends Fernsehen um zu vergessen, wie öd unser Arbeitsalltag ist.

Meditation sagt man nach, dass sie den Kopf frei für neue Ideen macht.

Es gibt ja verschiedene Arten von Meditation. Es gibt Meditation, die den Kopf leert, womit man ruhig wird. Und dann gibt es Meditation, bei der es ums Denken geht. Und das ist eine menschliche Fähigkeit, die vielen zu schmerzhaft und zu schwierig ist. Es gibt neurowissenschaftliche Studien, die besagen, Meditation würde die Kreativität steigern. Doch die Idee, dass Menschen in einem Sessel sitzen und kreativ werden können, ist falsch. Menschen werden schöpferisch durch Interaktionen mit anderen Menschen, wenn sie sich Wissen außerhalb ihres Bereiches aneignen.

Welche Alternative schlagen Sie vor?

Das Glücklichsein, die Religion des 20. Jahrhunderts, ist irreführend. Wie kann man glücklich sein, wenn es so viel Leid, Krieg, Dummheit auf der Welt gibt? Wenn man sich nur um sich selbst kümmert, ist man ein Dummkopf. Wenn man sein eigenes Glück sucht und die Welt dabei vergisst, läuft etwas falsch.

Oft heißt es, man müsse zuerst mit sich selbst im Reinen sein, sich selbst lieben, um anderen helfen zu können. Was halten Sie davon?

Man soll sich nicht gut fühlen. Anstatt auf sich selbst neugierig zu sein, sollte man neugierig auf andere Menschen sein. Das 20. Jahrhundert hat die Aufmerksamkeit auf das "Ich" verlagert, und Wien und Sigmund Freud sind dafür zu einem großen Teil verantwortlich. Man bekommt gesagt, dass man das ist, wozu einen die Eltern gemacht haben. Anstatt zu fragen "Wer bin ich?" sollte man jedoch fragen: "Wer bist du?". Und dabei keine Angst haben. Anstatt Konsens als Ziel vor Augen zu haben, sollten wir akzeptieren, dass es Unterschiede gibt. Alle wissenschaftlichen Errungenschaften wurden erzielt, indem man die Dinge nicht als das hinnimmt, was sie vorgeben zu sein. Man findet neue Lösungen nur, indem man mit anderen Menschen spricht. Für mich ist Konversation ein gutes Instrument, um sich von sich selbst zu befreien.

Kommen wir zurück zur Achtsamkeit an der Schule. Was ist hier Ihre Alternative?

Ich bin dafür, dass man Gespräche zwischen Schülern und älteren Menschen fördert. An der Schule sollten wir Verbindungen zur Welt herstellen. Auch an den Unis lernen Studierende nichts über das Leben. Wir müssen Bildung neu denken, und Geschichte sollte die Imagination provozieren. Mit Donald Trump als US-Präsidenten sind die Probleme der Welt sehr dringlich, und auch beim Brexit sehen wir: Es braucht nur wenige Wähler, und es ist vorbei. Wir brauchen neue Lösungen und dürfen uns nicht vor der Welt verstecken.