Jugendliche, die auf Dreck starren – und das im Schulunterricht. "Hier, dieser Dreck! Das ist mir noch nie aufgefallen!" sagt Lehrerin Verónica Pagura, Lehrerin an der Vienna International School. Sie steht im dunklen Klassenzimmer und leuchtet mit einer Taschenlampe auf einen grauen Fleck an der Decke. Die Teenager haben ihre Köpfe in den Nacken gelegt, ihre Blicke folgen dem Licht. Die Taschenlampe soll veranschaulichen, was passiert, wenn man still wird und seine Gedanken beobachtet.

Das meditierende Klassenzimmer: Die 9. Schulstufe der Vienna International School übt sich in Achtsamkeit. - © Luiza Puiu
Das meditierende Klassenzimmer: Die 9. Schulstufe der Vienna International School übt sich in Achtsamkeit. - © Luiza Puiu

Mindfulness statt Mathe: Heute steht in der Vienna International School im 22. Bezirk Achtsamkeit am Stundenplan. Denn für Kinder und Jugendliche nimmt der Stress immer mehr zu. Cyber-Mobbing, Pisa-Tests, und das Smart-Phone als ständiger Begleiter. Anstatt an dem System zu rütteln, holen sich immer mehr Schulen Hilfe in Form von alten Meditationstechniken. Diese kommt zwar aus der buddhistischen Tradition, wird im Unterricht aber säkular gelehrt.

In der Schule sollen Jugendliche also plötzlich "an nichts" denken, während sie an die weiße Decke und Dreck starren? Tiefe Atemzüge sollen ihnen dabei helfen, ganz im Moment zu sein? Vergessen sie nicht ohnehin schon zu oft darauf, ihre Hausaufgaben zu erledigen? Und was hat eine Klangschale im Klassenzimmer verloren? Für viele klingt all das stark nach Esoterik.

Yogis, Manager, und jetzt auch Schüler

Stressreduktion, gestärktes Immunsystem und langsamere Zellalterung sind nur einige der vielen wissenschaftlich belegten Effekten, die dazu führten, dass der Trend zur Meditation voll eingeschlagen hat. Yogis wie Manager meditieren mit Apps wie "Headspace" oder "7 Mind" – die einen, um das Nirvana zu erreichen, die anderen, um einen klaren Kopf für das nächste Meeting zu bekommen. Allmählich entdecken auch Schulen Meditation für sich. Die "Pädagogik der Achtsamkeit" zielt vor allem auf verbesserte Steuerung von Aufmerksamkeit, Emotionen und Impulsen ab.

Wenn Kinder und Jugendliche im Unterricht einige Minuten nichts anderes tun als sich auf ihren Atem konzentrieren, ist das an öffentlichen Schulen in Großbritannien und einigen US-Bundesstaaten wie Kalifornien längst Normalität. In Österreich sind nur wenige Schulen auf den Zug aufgesprungen – unter ihnen vor allem private Schulen wie die Vienna International School oder jene, die sich der Montessori- oder Waldorfpädagogik verschrieben haben.