Auf einer Leinwand in der Vienna International School in Wien flimmert ein Animationsfilm. Den Jugendlichen der 9. Schulstufe wird eine Szene aus "Kung Fu Panda" gezeigt. In diesem hat Po, der Pandabär, einen schlechten Tag. Die weise Schildkröte Oogway sagt, Po sei zu sehr damit beschäftigt, was in der Zukunft passieren könnte, und teilt mit ihm folgenden Spruch: "Yesterday is history, tomorrow is a mystery, but today is a gift, that is why it is called ‘the present’."

Achtsamkeit soll Leistung steigern

Der Filmclip ist dem auf Jugendliche zugeschnittenen ".b"-Kurs entnommen, einem Programm des britischen Mindfulness in Schools Project (MiSP). Die NGO hat 2009 den ersten Unterrichtsplan zum Thema Achtsamkeit in Großbritannien ins Leben gerufen und seither weiterentwickelt. Ziel des Programms ist es, die Resilienz und die schulische Leistung junger Menschen zu steigern, heißt es auf der MiSP-Homepage. "Die Jugendlichen sind oft von dem Arbeitspensum überwältigt. Mit Achtsamkeit im Unterricht wollen wir etwas für ihr Wohlbefinden tun", erklärt Lehrerin Pagura.

"Die Jugendlichen sind oft von dem Arbeitspensum überwältigt. Mit Achtsamkeit im Unterricht wollen wir etwas für ihr Wohlbefinden tun", sagt Verónica Pagura, Lehrerin an der Vienna International School. - © Luiza Puiu
"Die Jugendlichen sind oft von dem Arbeitspensum überwältigt. Mit Achtsamkeit im Unterricht wollen wir etwas für ihr Wohlbefinden tun", sagt Verónica Pagura, Lehrerin an der Vienna International School. - © Luiza Puiu

Scheinbar ist es nie zu früh, um damit anzufangen: In dänischen Kindergärten suchen sich die Kleinkinder Steine, bemalen sie, und legen ihn sich ein paar Minuten lang auf den Bauch.

"Kinder können schon ab dem Alter von vier oder fünf Jahren meditieren. In diesem Alter sind Übungen, die das Nervensystem beruhigen, besonders wichtig", sagt Helle Jensen. Die dänische Psychologin und Familientherapeutin ist Mitglied der 2007 gegründeten "Dänischen Gesellschaft zur Förderung von Lebensweisheit in Kindern", die einen Achtsamkeits-Lehrgang in Berlin und Seminare zur Achtsamkeitspädagogik anbietet, letzteres auch in Österreich.

"Spürt ihr die Energie?"

Es ist die erste Achtsamkeits-Stunde, Lehrerin Pagura im Rahmen ihrer Klassenvorstandsstunde an der Vienna International School abhält. Die Jugendlichen sitzen im Sesselkreis, eine Schülerin hat den Kopf auf die Schulter ihrer Klassenkollegin gelegt. Pagura fordert sie dazu auf, in eine "starke Stille" zu gehen, bei der sie ganz bei sich sind, und die anderen nicht stören.

Die Klasse folgt ihren Anweisungen: Die Augen schließen. Dreimal in die Hände klatschen. Die Handflächen zeigen zueinander, als würde man einen Ball halten. "Spürt ihr die Energie?" Nun sollen die Jugendlichen jeden Finger einzeln wahrnehmen. Im Klassenzimmer ist es jetzt ganz still. Nach einigen Minuten wird nachbesprochen. "Ich habe das Klassenzimmer von ganz weit weg gesehen", sagt ein Schüler, "Ich habe mich sehr schläfrig gefühlt", kommentiert ein anderer.

Es ist das dritte Jahr, in dem sich der komplette 9. Jahrgang der Vienna International School in Achtsamkeit übt. Welche Erfahrungen machen die Jugendlichen damit? Können sie sich dadurch wirklich besser konzentrieren?