VIS-Schüler Kush Kumar erzählt, er sei im Unterricht jetzt viel konzentrierter und aufnahmefähiger. - © Luiza Puiu
VIS-Schüler Kush Kumar erzählt, er sei im Unterricht jetzt viel konzentrierter und aufnahmefähiger. - © Luiza Puiu

Kush Kumar, 15 Jahre alt, hat das Achtsamkeitstraining im Vorjahr absolviert. Er erzählt, er sei im Unterricht jetzt viel konzentrierter und aufnahmefähiger. Während er früher zuhause lernen musste genüge es nun, dass er seine Hausaufgaben erledigt.

Ganz anders die Erfahrung von Mohamed Afifi. Ihm bleibt trotz Achtsamkeitstraining das Strebern nicht erspart; der 15-Jährige erzählt, dass er jeden Abend bis 1 Uhr früh lernt. Als er vor wenigen Wochen sein Jahresprojekt vor einem großen Publikum präsentieren musste, war er sehr nervös. Eine Atemübung half ihm dabei, ruhiger zu werden, sein Lampenfieber wurde weniger. Auch vor Rugby-Matches setzt er seinen Atem jetzt gezielt ein.

Mohamed Afifi helfen Atemübungen dabei, ruhiger zu werden. Auch vor Rugby-Matches setzt er seinen Atem jetzt gezielt ein. - © Luiza Puiu
Mohamed Afifi helfen Atemübungen dabei, ruhiger zu werden. Auch vor Rugby-Matches setzt er seinen Atem jetzt gezielt ein. - © Luiza Puiu

"Ich brauche das nicht", sagt hingegen Lea Andrusz. Die 15-Jährige ist Teil des Fußballteams, und für sie war die Achtsamkeit "eine gute Erfahrung, mehr nicht". Der Schülerin hat die Gehmeditation am besten gefallen: "Früher war mir am Weg in die Schule langweilig, jetzt gehe ich einfach, ohne es zu bewerten."

"Es geht darum, dass die Jugendlichen das Konzept verstehen. Sie sollen wissen, dass es da etwas gibt, auf das sie später, wenn sie im Leben schwierige Erfahrungen machen, zurückgreifen können", sagt Kevin Hawkins. Der britische Pädagoge und Achtsamkeitstrainer war jahrelang Direktor der Internationalen Schule in Prag. Er selbst kam in den 1970er-Jahren ersten Mal auf einer Indien-Reise in Berührung. Das erlernte Wissen hat er 30 Jahre später wiederentdeckt, als seine Eltern starben und seine Ehe vor dem Aus stand.

"Jugendliche sollen wissen, dass es da etwas gibt, auf das sie später, wenn sie im Leben schwierige Erfahrungen machen, zurückgreifen können", sagt der Pädagoge und Achtsamkeitstrainer Kevin Hawkins - © Paulina Paliko
"Jugendliche sollen wissen, dass es da etwas gibt, auf das sie später, wenn sie im Leben schwierige Erfahrungen machen, zurückgreifen können", sagt der Pädagoge und Achtsamkeitstrainer Kevin Hawkins - © Paulina Paliko

"Das Training hat mir geholfen, wesentliche Fähigkeiten, die man im Leben braucht, zu erlernen. Ich wünschte, ich hätte das gelernt, als ich 15 war und nicht erst mit 50." Nachdem ihm Achtsamkeit in dieser schwierigen Lebensphase weitergeholfen hatte, wollte er das Wissen in seiner Schule in Prag weitergeben – zuerst einmal innerhalb der Lehrerschaft.

Denn bevor diese Achtsamkeit unterrichten, müssen sie eine Ausbildung durchlaufen – beim britischen Marktführer MiSP dauert acht Wochen und vier Tage. Noch bevor man das Training antreten darf, muss man sechs Monate auf eigene Faust meditiert haben.

An der Vienna International School haben 20 Lehrerinnen und Lehrer diese Ausbildung. Vorreiterin war die Vertrauenslehrerin Kirsty Evitt. Gibt es Streit mit Lehrern, Klassenkollegen oder zu Hause: Bei Problemen ist Evitt oft die erste Anlaufstelle für die 1500 Kinder oder Jugendliche an der Vienna International School.

Evitt meditiert selbst jeden Tag 20 Minuten lang, denn sie kennt depressive Verstimmungen aus ihrer eigenen Vergangenheit, und sagt über Achtsamkeit: "Ich weiß, dass es für mich funktioniert. Aus diesem Grund will ich unbedingt, dass es das an der Vienna International School gibt."