Er beobachte "schon seit Längerem mit Sorge und Mitgefühl, wie unglücklich und unverstanden Sie sich bei uns fühlen", schrieb FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache am Montagvormittag auf seiner reichweitenstarken Facebook-Seite. Straches Post ist eine Reaktion auf das Abstimmungsverhalten der türkischstämmigen Wahlberechtigten beim türkischen Verfassungsreferendum am 16. April. Rund 73 Prozent derer, die zur Abstimmung gegangen waren, stimmten mit einem Ja zu Erdogans umstrittenen Plänen. Ein Wert, der nur von Belgien getoppt wurde (75 Prozent).

Strache forderte Erdogans Anhänger in Österreich zur Ausreise in die Türkei auf: "Tun Sie also sich und Ihrem Präsidenten einen Gefallen, und kehren Sie in ihr Land zurück" … "Ich verstehe Sie ja: Sie fühlen sich bei uns von einer Geisteshaltung und einer Kultur bedrängt, die Sie nicht gutheißen. Sie dürfen hier ihre Töchter nicht in minderjährigem Alter verheiraten (...). Wenn diese sich von einem Mann entehren lässt, bringt sie unverzeihliche Schande über die ganze Familie, und Vater oder Bruder müssen das, naja, sie wissen schon. Die müssen das wieder ausbügeln. Aber das ist bei uns leider verboten.", so der FPÖ-Chef.


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Semiosis.at
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Allem Anschein nach hat Strache den Text nicht selbst verfasst, sondern von einem rechtsextremen und verschwörungstheoretischen Internetportal abgekupfert. Das ist auf dem Recherche-Blog "Semiosis.at", betrieben von Sebastian Reinfeldt und Christoph Ulbrich, zu lesen. Mehrere Medien, darunter die "Presse" und oe24.at, berichteten über Straches Wut-Eintrag – ohne jedoch die Herkunft des Textes zu prüfen, so die Autoren.

Ein Text mit fast deckungsgleichem Wortlaut erschien bereits Anfang März 2017 auf "Jouwatch" - einem Portal, auf dem rechtsextreme Bewegungen wie "Pax Europa" Anzeigen schalten und auf dem sich regelmäßig rechtsextreme und verschwörungstheoretische Inhalte finden. Das Portal verlinke auch auf weitere Plattformen des rechtsextremen Spektrums, manche der dort publizierenden Autoren seien in Deutschland bereits wegen Volksverhetzung verurteilt worden, so die Recherche-Blogger.