Wien. Eva Glawischnig hat zu ihrem Rücktritt als Grüne Bundessprecherin am Donnerstag "Respekt und Anerkennung" von den anderen Parlamentsparteien geerntet. Durch die Bank sprach ihr die politische Konkurrenz Dank für die "gute Zusammenarbeit" aus.

SPÖ-Vorsitzender, Bundeskanzler Christian Kern zeigte sich überzeugt, dass Eva Glawischnigs ehrliches Engagement über die Parteigrenzen hinweg weiterhin sichtbar sein wird." SPÖ-Bundesgeschäftsführer Georg Niedermühlbichler betonte, mit Glawischnig sei es zu jeder Zeit möglich gewesen, "für die Sache zu arbeiten. In der Bildungspolitik war sie über weite Strecken eine wichtige Verbündete." Klubobmann Andreas Schieder hat sie im Parlament "als Politikerin mit großem Engagement in der inhaltlichen Auseinandersetzung und fairen, respektvollen Umgang mit den politischen Mitbewerbern erlebt".

Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) dankte für Glawischnigs Einsatz für den Parlamentarismus und lobte ihre "aufrichtige, faire und respektvolle Art, Politik zu machen".

Konsens erzielt

Auch ÖVP-Klubobmann Reinhold Lopatka dankte Glawischnig für die "gute Zusammenarbeit im Parlament". Lopatka verwies auf zahlreiche wichtige Punkte, in denen man Konsens erzielt habe, etwa auf das Rederecht für Europaparlamentarier oder auf die neuen Verfahrensordnung für Untersuchungsausschüsse.

"Großen Respekt" zollte auch der NEOS-Vorsitzende Matthias Strolz Glawischnig für ihre Entscheidung. Nach achteinhalb Jahren an der Parteispitze und angesichts der Umstände ist das für ihn "auch ein nachvollziehbarer Schritt". "Trotz inhaltlicher Unterschiede war mit Eva Glawischnig immer ein guter Austausch möglich", sagte Strolz.

"Persönlich betroffen"

"Persönlich betroffen" vom Rückzug Glawischnigs zeigte sich Team Stronach-Klubobmann Robert Lugar, weil er die "offene und konstruktive Zusammenarbeit" mit ihr geschätzt habe. Lugar meinte angesichts des Rückzuges von Eva Glawischnig, dass sich alle im politischen Zirkus die Frage stellen sollten, "ob der permanente Dauerangriff und die Suche nach 'der' Schlagzeile es wert sind, dass sich jetzt schon sehr junge Politiker aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen müssen".

Arbeiterkammer-Präsident Rudolf Kaske betonte, dass Glawischnig bei für Arbeitnehmer relevanten Fragen "stets eine wichtige Gesprächs- und Bündnispartnerin", gewesen sei.

Strache kommentiert zweischneidig

FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache hat den Rücktritt von Grünen-Chefin Eva Glawischnig zweischneidig kommentiert. Einerseits würdigte er die Parteiobfrau als Person, kritisierte aber ihre Partei scharf. Man habe politisch zwar so manchen Strauß ausgefochten, sagte er am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. Er und FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl zollten Glawischnig für ihren Schritt Respekt.

"Der Rücktritt ist natürlich zur Kenntnis zu nehmen", sagte Strache und wünschte Glawischnig auf ihrem weiteren Lebensweg - privat wie gesundheitlich - "nur das Beste". Habe man sachpolitisch meistens gegensätzliche Standpunkte vertreten und heftig gestritten, habe es jedoch nie Untergriffe gegeben. In ihrem Kampf gegen Hasspostings will der FPÖ-Chef die zurückgetretene Grünen-Chefin unterstützen: "Ja, selbstverständlich."