- © Illustration: Irma Tulek
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Schulden zu machen war noch nie so leicht wie heute. Bettina Fuhrmann, Leiterin des Instituts für Wirtschaftspädagogik an der WU Wien erinnert sich: "Als ich Kind war, gab es keine Bankomaten. Ich weiß noch, wie erstaunt ich war, als ich zum ersten Mal einen benutzt habe und da auf einmal hundert Schilling herauskamen." Nicht nur das bargeldlose Bezahlen, auch Online-Shopping mit ein paar Klicks und Handy-Apps haben unser Verhältnis zum Geld abstrakter gemacht. "Man hat fast nie Geld in der Hand, es ist nicht so sichtbar, nicht mehr so fühlbar." Und das hat Folgen.

Wirtschaftspsychologische Studien zeigen: Wenn man etwas mit Bargeld bezahlt, hat man ein stärkeres Eigentumsgefühl, einen stärkeren Bezug, als wenn man nur die Bankomatkarte zückt.

Generell ist es um die Finanzbildung in Österreich heute schlecht bestellt. Bettina Fuhrmann erklärt: "Untersuchungen zeigen, dass sehr viele Menschen mit zentralen finanziellen Konzepten wie Zinsen, Devisen oder Krediten nicht viel anfangen können oder nicht wissen, wie sie davon betroffen sind." Mit einem bestimmten, begrenzten Betrag auszukommen, das sei eigentlich die grundlegendste Fähigkeit im Umgang mit Geld, so Bettina Fuhrmann. Und gerade hier hapert es: "Viele Jugendliche haben eine Bankomatkarte und da kommt halt immer wieder etwas aus dem Automaten heraus. Viele Eltern zeigen ihre Zuneigung mit Geld und glauben auch noch, sie tun etwas Gutes."

- © Illustration: Irma Tulek
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"Bei einigen Menschen sitzt das Geld zu locker", sagt die Pädagogin

Am prägendsten ist für Jugendliche, wie ihre eigenen Eltern mit Geld umgehen: Was erzählen sie über Ausgaben oder Aktien? Welche Kaufentscheidungen treffen sie täglich? Bettina Fuhrmann: "Bei einigen Menschen sitzt das Geld zu locker, sie kaufen impulsiv und ohne die Konsequenzen zu bedenken. Andere sitzen andere sitzen drauf als wäre es das schlimmste, etwas zu investieren. Das Ziel wäre ein bewussteres, aber auch entspannteres Umgehen mit Geld."

Dass Bildung vererbt wird, gilt seit dem französischen Soziologen Pierre Bourdieu als Binsenweisheit, an der sich nicht viel geändert hat. Und genau wie Bildung, werden auch Armut, das generelle Verhältnis zum Geld und die Tendenz, Schulden zu machen immer noch vererbt. Und Schuldnerkarrieren beginnen heute sehr früh. Jugendliche borgen sich oft untereinander Geld aus, die Beträge werden dann oft sukzessive höher, die Scheu vor dem Schuldenmachen schwindet.