Mock maßgeblich verantwortlich für Österreichs EU-Beitritt. - © apa/Georges Schneider,
Mock maßgeblich verantwortlich für Österreichs EU-Beitritt. - © apa/Georges Schneider,

Wien. Er war mit Sicherheit keiner der üblichen Siegertypen. Und so ist es eigentlich fast typisch, dass er seine Lebensaufgabe erst in dem Moment fand, als ihn eine brutale Niederlage aus der Bahn - und der Politik - zu werfen drohte.

Wir schreiben 1986, Alois Mock war da bereits sieben Jahre lang Obmann der ÖVP. Bei den Wahlen 1983 verlor ein kranker Bruno Kreisky zwar die Absolute, rettete der SPÖ aber Platz eins. Die anschließende rot-blaue Koalition taumelte mehr, als sie regierte; bei den Wahlen 1986 wähnte sich Mock schon als Sieger und künftiger Kanzler. Doch das frische Kanzler-Gesicht Franz Vranitzkys brachte die Kanzler-Träume Mocks jäh zum Platzen. Am Ende fehlten ihm 88.000 Stimmen.

Schwarz-Blau hatte schon damals eine Mehrheit im Nationalrat, und Mock war dazu entschlossen. Doch in einer turbulenten Vorstandssitzung konnte sich der Parteichef nicht durchsetzen und entging nur knapp der Demontage durch die eigenen Leute, die für eine große Koalition votierten.

- © Archiv, apa/Herbert P. Oczeret,
© Archiv, apa/Herbert P. Oczeret,

Das Klima zwischen SPÖ und ÖVP war zu diesem Zeitpunkt schon nahe am Nullpunkt. In den Monaten zuvor spaltete die Wahl des ÖVP-Kandidaten Kurt Waldheims zum Bundespräsidenten Land und Leute. Die Auseinandersetzung über von der SPÖ gestreute Berichte zur angeblichen Beteiligung des ehemaligen UNO-Generalsekretärs an Kriegsverbrechen geriet zur Schlammschlacht mit langem Schatten.

Die Wahlen verlor die ÖVP, die Koalitionsverhandlungen gewann sie. Mock wurde Vizekanzler und Außenminister. Den Schwarzen die internationale Bühne zu überlassen, brachte den alten Kreisky auf die Palme. Der drohte öffentlich, für diesen Fall den Ehrenvorsitz der SPÖ zurückzulegen. Allerdings hatte Vranitzky keine andere Wahl, wollte er selbst Kanzler bleiben. Vranitzky entschied sich gegen Kreisky, und Alois Mock hatte mit dem neuen Amt im Alter von 52 Jahren seine Lebensrolle als Politiker gefunden.

Im Zentrum standen dabei zwei Themen, die eigentlich ein größeres Ganzes waren: die Überwindung der Spaltung Europas in Ost und West und sein Zusammenwachsen in Form der Europäischen Gemeinschaft, der heutigen Union. Die SPÖ reagierte auf diese polit-tektonischen Umwälzungen ab Mitte der 1980er Jahre mit einer Mischung aus Zaudern und Zögern, vor allem die Gewerkschaften fürchteten um ihre heile nationale Welt. Mock sorgte dafür, dass die ÖVP hier die Richtung vorgab mit einem großen Ziel: den Beitritt Österreichs zur Europäischen Gemeinschaft.