Wien. "Auf den großen Werktisch sind sie besonders stolz", sagt Gülbeyaz Altun, die Geschäftsführerin des Vereins Kinder Traum, die im Jahr 2014 einen privaten Kindergarten im 15. Bezirk eröffnete. Neben den vielen kleinen Stühlen sieht der Tisch tatsächlich groß aus. Darauf wird stehend gewerkt, gesägt und gebastelt. Ab kommenden Herbst will der Kindergarten nach dem Konzept von Heide Rohringer arbeiten, wonach der Schwerpunkt auf Theater- und Kulturpädagogik gesetzt werden soll. Rohringer und Altun haben sich vor gut einem Jahr gefunden. "Es war uns beiden sofort klar, dass wir dieses Wagnis gemeinsam eingehen wollen", sagt Rohringer, "hier mitten im sozialen Brennpunkt."

Die Weichen wurden bereits vergangenen Sommer gestellt. Die beiden Frauen begannen nach der "Ichduwir"-Methode, die Pädagogin Rohringer in den 1990er Jahren entwickelte, zu arbeiten. "In der Mitte ist der Mensch", erklärt sie kurz das Konzept, "ich berücksichtige dabei nicht nur die Entwicklung, sondern auch das Umfeld des Kindes - den Unterschied 19. Bezirk und hier, lebt es in einer Patchworkfamilie oder bei Alleinerzieher, das alles prägt das Kind", sagt sie. Neben den Grundlagen "Kind und Entwicklung", "Kind und Gesellschaft" kommt als drittes "Kind und Kunst" hinzu - die Erlebniswelt. "Was möchte ich diesen Kindern als Ausschnitt der Welt zeigen. Das ist das gemeinsame Abenteuer."

"Die müssen wir
gut zur Schule bringen"

80 Prozent der Kinder konnten im Herbst 2016 noch gar kein Deutsch. "Die konnten aber auch nicht wirklich türkisch oder serbisch sprechen, die hatten gar keine Sprache", so Rohringer. "Die müssen wir aber gut zur Schule bringen", sagt sie, "diese Verantwortung haben wir als Kindergarten." Rohringer und Altun stellten ihr Team zusammen. Der Morgenkreis, wo Kinder nur still sitzen müssen, wurde abgeschafft, stattdessen wurden Teamkonferenzen eingeführt. "Wenn ich fragte, ist der Malek heute da, haben entweder alle geschrien oder keiner hat etwas gesagt", erzählt die Pädagogin, "heute meldet sich jeder gern zu Wort." Wichtig sei es, die Kinder zu stärken, mit ihnen zu sprechen und den Kindern zu vermitteln, "dass keine Sprache besser oder schlechter ist als eine andere", sagt Rohringer.

Aufgrund solcher Erfahrungen würden die Kinder jetzt - im Juni - wie die Wasserfälle plappern. "Und sie verlangen eigenständig Teamkonferenzen, wenn es Konflikte gibt", lacht Rohringer. Ende Juni gebe es sogar mit allen Kindern und deren Eltern ein gemeinsames Picknick. Das sei im Herbst noch undenkbar gewesen.