Recherchen der "Wiener Zeitung" zeigen jedoch: Alexandra Liehmann ist nicht nur in der heimischen Anastasia-Szene verwurzelt, sie steht auch mit jener Frau in engem Kontakt, die eigene Aussagen zufolge schon 2003 den ersten Anastasia-Lesekreis in Wien gegründet hat: die Anwältin Vera Weld. Weld setzt sich seit Jahren intensiv für die Verbreitung der Anastasia-Lehre in Österreich ein. Sie selbst sei die Erste in Österreich gewesen, erzählt sie stolz im persönlichen Gespräch. Häufig besucht die Anwältin völkische Landsitze in Russland, hält Vorträge und Seminare und versucht, im niederösterreichischen Waldviertel selbst einen Anastasia-Landsitz zu gründen: das Projekt "Hoffen".

Anastasia stand am Anfang

Ein Youtube-Video zeigt Weld auf einem ihrer Seminare in Russland, sie macht Werbung für ihr Projekt "Hoffen" im Waldviertel. Wo denn die Kinder des Landsitzes in die Schule gehen werden, will eine russische Zuhörerin wissen. Alles kein Problem, es gäbe ja das Lais-Konzept von Alexandra Liehmann, sagt Weld. Sie habe ihr damals den Weg zur Schetinin-Schule am Schwarzen Meer gewiesen.

Liehmann stellt das nicht in Abrede. "Vera Weld war die Kontaktperson in Österreich", schreibt sie per mail auf eine entsprechende Frage. Dass sie nach wie vor mit Weld in Kontakt steht, verneint die Lais-Gründerin. Weld selbst aber erzählt eine völlig andere Geschichte. Liehmann sei schon bei ihrem ersten Anastasia-Lesekreis dabei gewesen, "danach sind meine Töchter ausgeschwärmt", sagt sie. Liehmann habe einen eigenen Lesekreis in Klagenfurt gegründet.

Das bestätigen auch Recherchen der ORF-Sendung "Thema" (zu sehen am Montag, 19. Juni in ORF2). Noch immer ist im Internet ein Eintrag von "Anastasia Gruppe Kärnten Organisator Liehmann Alexandra" von 2011 zu lesen. Für den April 2012 wird ein "2. Mutter-Kind Anastasia Treffen" angekündigt: "Thema Siedlungsprojekt, Tauschkreis, Anastasia-Ideen im Alltag umsetzen (...) Stand Familienlandsitze in Russland, Reiseinformationen für Russlandreise in Siedlungen, Dolmen & Schetinin-Schule von Gast Vera Weld", ist zu lesen. "Wann immer ich in Klagenfurt bin, besuche ich sie, wann immer sie in Wien ist, besucht sie mich", sagt Vera Weld über Lais-Gründerin Liehmann, die behauptet, nichts mit der Anastasia-Bewegung zu tun zu haben.

"Bei uns in Klagenfurt, an der Forschungsschule, werden keine Ideologien gelebt", behauptet Liehmann. ORF-"Thema" durfte erstmals im Klagenfurter Lais-Institut drehen. Auch gegenüber Thema behauptete Liehmann: "Wir haben mit der Schetinin-Schule nix zu tun. Außer, dass ich mal dort war und mir angesehen habe wie die Kinder dort in Gruppen lernen."

Lais und der Verein "Gaia"

Eine Lais-Ausbildung, die übrigens nicht gerade billig ist, hat auch besagte "ICCJV"-Aktivistin Ute Michaela W. erhalten. Sie habe Ende 2014 ein Video über die Lais-"Schule" in Klagenfurt gesehen, schrieb W. in einem auf Jänner 2017 datierten Eintrag auf der Homepage von Lais-Klagenfurt. Dort wurde W. bis vor einigen Monaten auch als Anbieterin des "Lais Modul IV" gelistet. Inzwischen sind alle Spuren von W. auf der Lais-Homepage verschwunden. Wusste Liehmann von W.s Engagement bei Lais? "Zu uns kommen sehr viele Menschen, auch weltweit, um die Ausbildungen zum Lernbegleiter hier direkt in Klagenfurt machen zu können", schreibt Liehmann. Die Waldviertlerin W. habe zwar die Ausbildung zum Lernbegleiter gemacht, dabei allerdings "nicht über ihre Ideologien gesprochen".