Unterstützung bei der Gründung der Lais-"Schule" hatten Liehmann und ihr Team übrigens auch vom esoterischen Verein "Gaia", der angeblich mehr als 4000 Mitglieder hat. "Gaia" sucht im Netz nach Sponsoren für ein "Auftriebskraftwerk" und macht Werbung für die rechtsradikale "Neue Germanische Medizin" des ehemaligen Arztes Ryke Geerd Hamer. Dessen "Therapie" wäre 1995 der kleinen, krebskranken Olivia Pilhar beinahe zum tödlichen Verhängnis geworden. Olivias Vater, seit damals Anhänger von Hamer, ist heute ebenfalls in der Staatsverweigerer-Szene aktiv.

Liehmann persönlich stellte das Lais-Projekt beim Gaia-Kongress 2015 vor, eine weitere Zusammenarbeit mit dem Verein bestreitet sie. Nach wie vor aber wird in den Gaia-Foren intensiv für die Lais-"Schulen" geworben. Da der Verein aber "über 4000 Mitglieder" habe, könne sie sich "gut vorstellen, dass dass dort Menschen verschiedene Ideologien vertreten", schreibt Liehmann. In einem Video vom Gaia-Kongress sagt Liehmann, sie habe mit 19 die Anastasia-Bücher gelesen. Seit damals wisse sie, "dass das stimmt". Man habe das Konzept nach Österreich holen wollen, sagt Liehmanns Partnerin im Video.

Nicht nur für Personen aus der Staatsverweigerer-Szene und Anhänger von völkischen Siedlungsbewegungen wie Anastasia sind von den Lais-"Schulen" begeistert. Auch führende Personen der klassischen rechtsextremen Szene docken bei Lais an. Schauplatzwechsel, der kleine Ort Hof bei Salzburg. Im Juni 2015 startete der Managementtrainer Eduard Kaan ebenfalls ein Lais-Projekt. Als sein "Kernteam" stellte er damals auf Facebook unter anderem eine junge Frau aus Deutschland vor: Dietlind B. Zumindest laut der Lernplattform der Pädagogischen Hochschule Salzburg studiert B. ebendort Volksschulpädagogik.

Der "Sturmvogel" mischt mit

Ganz nebenbei gehört B. vor allem zur Bundesspitze des radikal rechten, völkischen Jugendbunds "Sturmvogel". Dieser ist eine Abspaltung der inzwischen verbotenen Wikingjugend, mit der früher auch FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache in Kontakt stand. Die auf Rechtsextremismus spezialisierte, deutsche Journalistin Andrea Röpke hat die Jugendlager des "Sturmvogels" beobachtet: Sie berichtet von militärischem Drill, den die Kinder im wahrsten Wortsinne bis zum Umfallen durchhalten müssen. Als "volkstreu eingestellte Deutsche" bezeichnet sich der Sturmvogel selbst, man wolle gegen den "Ungeist" auftreten, der "unser Volk derzeit jeden Atemzug verpestet". Auf einem Video vom Mai 2015 ist B. deutlich zu erkennen, wie die 25-Jährige dem Salzburger Lais-Gründer Eduard Kaan auf einer Infoveranstaltung Fragen zum Lais-Konzept stellt. Auf die schriftliche Bitte nach einer Stellungnahme diesbezüglich reagierte B. nicht.

Zuerst will sich Eduard Kaan nicht an B. erinnern. Mit den Rechercheergebnissen konfrontiert, sagt er: "Die Dietlind war nur bei den ersten Veranstaltungen dabei." Von B.s "Sturmvogel"-Aktivitäten habe er keine Kenntnisse gehabt. Ende Sommer 2015 habe sich B. verabschiedet - "sie hat ihre Wandervögel (sic) in Deutschland und muss ihr Studium vorantreiben". Kaan spricht von "unterschiedlichsten Ecken" der "Zivilgesellschaft", wie den Montagsdemos in Salzburg, die sich für sein Lais-Projekt begeistert hätten. Am Anfang, sagt Kaan, hätte man nicht überprüft, wer von wo käme und wer welchen Hintergrund habe. Tatsächlich ließ sich Kaan auch vom Internetportal "Krypto TV" und dem dubiosen Verein "Golden Earth Vision", der dem Salzburger Lais-Projekt Räumlichkeiten zur Verfügung stellt, interviewen. Hinter "Krypto-TV" steht ein gewisser Roman Michael Tippler alias Roman Roider, der auf Facebook offen und unbehelligt den Holocaust leugnet. Wenn er sich nicht mit Lais beschäftigt, interviewt Tippler gerne Impfgegner, Verschwörungstheoretiker und Esoterikautoren zu deren absurden Theorien.

Die komplexen ideologischen Wurzeln und Verbindungen der Lais-Szene zeigen: Esoterik ist nicht nur längst nach rechts gekippt, sie versucht auch intensiv, in die Mitte der Gesellschaft vorzudringen. Und das mit Erfolg.