Das greift für Korun jedoch nicht. Sie fordert eine neue Lagebeurteilung für Afghanistan, bei der auch die Expertise des Heeres-Nachrichtenamtes eingeholt wird. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass für das Heeres-Nachrichtenamt Afghanistan ein sicheres Land darstellt."

Das BMI bekräftigt, es würden ausschließlich Personen nach Afghanistan rückgeführt, deren Verfahren rechtskräftig negativ abgeschlossen wurde. Das bedeutet, dass sowohl das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA, erste Instanz) als auch das Bundesverwaltungsgericht (BVwG, zweite Instanz) einen Asylantrag abweisen und damit eine Gefährdung bei einer Rückkehr in die Heimat ausgeschlossen werden kann. Wird der Status auf Asyl nicht zuerkannt, gibt es immer noch die Möglichkeit auf subsidiären Schutz.

Reintegration

Doch die Chancen werden geringer. "Meiner Wahrnehmung nach steigt die Zahl der negativen Entscheidungen für Afghanistan sowohl in erster als auch in zweiter Instanz", sagt Christian Schmaus, Rechtsanwalt unter anderem für das Asylrecht. Argumentiert werde häufig mit "innerstaatlichen Fluchtalternativen".

Das BVwG zieht für seine Erkenntnisse unter anderem Länderberichte aus der Staatendokumentation des BFA heran oder es gibt selbst Gutachten in Auftrag.

Seit Ende Februar gibt es ein neues Gutachten, das die Reintegrationsperspektiven in Afghanistan deutlich positiver einschätzt als vorher. "Es gibt keine Gründe, welche die Rückkehr nach Afghanistan von männlichen Einzelpersonen unmöglich machen oder eine Gefährdung der Rückkehrer bedeuten würde", fasst der gerichtlich vereidigte Sachverständige Karl Mahringer zusammen. Die Kosten für Essen und Obdach in Kabul taxiert er auf 140 Dollar pro Monat. Politikwissenschafter Sarajuddin Rasuly, langjährig als Afghanistan-Gutachter vom BVwG beauftragt, sieht das anders. "350 Dollar für die Lebenshaltungskosten sind realistisch für ein menschenwürdiges Leben."

Als rechtliche Grundlage für die Abschiebungen nach Afghanistan dient das Ende 2016 geschlossene "Joint Way Forward"-Abkommen zwischen der EU und Afghanistan. Afghanische Behörden stellen gültige Reisepapiere aus, um die Rückkehr zu erleichtern. Im Gegenzug erhält das Land 1,2 Milliarden Euro Finanzhilfen bis 2020.