Wien. 36 Tote, 59 Verletzte. Das ist "nur" die schreckliche Bilanz des jüngsten Autobombenanschlags am Donnerstag auf eine Bank in Kabul. Erst Anfang Juni ist in der afghanischen Hauptstadt eine Bombe im Diplomatenviertel detoniert. Die Explosion kostete mehr als 150 Menschen das Leben. In Deutschland und Österreich heizte der verheerende Anschlag die Diskussion um die Abschiebungen erneut an.

Denn am selben Tag sind 17 Asylwerber in einem Flieger von Wien nach Kabul gesessen. Deutschland hingegen hat die Abschiebungen in das Land ausgesetzt - außer für Straftäter und Gefährder. Bis jetzt. Nach deutschen Medienberichten soll kommende Woche wieder ein Flugzeug mit Asylwerbern von Leipzig nach Afghanistan starten.

Österreich blieb bei seiner harten Linie. Heuer wurden bereits 383 Afghanen außer Landes gebracht. Davon wurden 195 gemäß den Dublin-Regeln in andere EU-Staaten überstellt, 56 Afghanen wurden direkt abgeschoben und 132 kehrten freiwillig zurück.

Gegen die rigorose Abschiebepraxis regt sich nicht nur aufseiten der Menschenrechtsorganisationen Widerstand, sondern auch in der Politik. Grünen-Menschenrechtssprecherin Alev Korun versucht seit einiger Zeit, die Abschiebungen in das asiatische Land zu stoppen. "Afghanistan ist nach Syrien das unsicherste Land der Welt", sagt Korun zur "Wiener Zeitung".

Grüne fordern Abschiebestopp

Die Zahlen sprechen für sich: Im ersten Quartal 2017 sind 715 Zivilisten getötet worden, 126.000 Menschen sind innerhalb des Landes auf der Flucht und die UN-Organisation OCHA registrierte Zwangsvertreibungen in 29 von 34 Provinzen des Landes. Das österreichische Außenministerium warnt vor allen Reisen in das Land.

Im Nationalrat brachte Korun Mitte Juni deshalb einen Entschließungsantrag ein, in dem sie und weitere Abgeordnete von der Regierung ein Ende der Abschiebungen fordern. Der Antrag wurde abgelehnt, im Innenausschuss versuchte sie es erneut. Doch auch dort stieß sie auf breite Ablehnung. Laut dem ÖVP-Abgeordneten Friedrich Ofenauer ist eine generelle Gefahr für ganz Afghanistan nicht gegeben. Der Antrag der Grünen wurde vertagt.

Ganz gleich wie instabil die Lage in Afghanistan ist: "Eine allgemeine Betrachtung des Landes ersetzt nicht die individuelle Betrachtung", sagt Karl-Heinz Grundböck, Sprecher des Innenministeriums (BMI). Man setze weiter auf das Prinzip der Einzelfallprüfung. Dabei wird unter anderem gefragt: Gibt es familiäre Anknüpfungspunkte, hat jemand schon vorher in Afghanistan gelebt, wie ist es um Gesundheit und Bildungsstand bestellt.