In der Tat ist bei den Lais-"Schulen" ein regelrechter Prüfungstourismus zu beobachten. So pilgerte die Lais-"Schule" "WINGS - Waldviertler integrative ganzheitliche Schule" zur Externistenprüfung in die mittlerweile aufgrund des steirischen Bildungsplans geschlossene Volksschule Falkenstein. Auf Facebook protestieren die "WINGS"-Organisatoren heftig gegen die Schließung der VS Falkenstein. Von ehemaligen Lais-Eltern, Experten und auch seitens der Landesschulbehörden ist immer wieder zu hören, dass es in gewissen Schulen besonders leicht sei, die Externistenprüfung zu bestehen. Von "Absprachen" und "wohlgesinnten Direktoren" ist die Rede.

Rein rechtlich ist der Prüfungs-Tourismus möglich. Laut Schulunterrichtsgesetz steht es den Eltern der Prüflinge prinzipiell frei, wo sie die Prüfung ablegen. In Frage kommt dafür grundsätzlich jede öffentliche Schule der jeweiligen Schulstufe oder Privatschulen mit Öffentlichkeitsrecht. Gibt es in einem Bundesland Prüfungskommissionen, so dürfen Externistenprüfungen nur dort abgelegt werden - was aber nicht bedeutet, dass man dazu nicht einfach in ein anderes Bundesland reisen kann. Gegenüber der "Wiener Zeitung" fordern nun die Landesschulräte von Kärnten, Niederösterreich und der Steiermark Änderungen von Praxis und Gesetzesbasis der Externistenprüfung. "Wenn häuslicher Unterricht in Niederösterreich beantragt wurde, sollte auch die Externistenprüfungen hier vor Kommissionen abgelegt werden müssen", fordert der niederösterreichische Landesschulratspräsident, Johann Heuras. Dass sich das Lais-Projekt "WINGS" als "Schule" bezeichnet, hält er für untragbar - und kündigt Konsequenzen an.

Häuslicher Unterricht?

"Das ist schlicht und einfach Missbrauch", sagt Heuras auf die Frage, ob denn eine Gruppe von mehreren Dutzend Kindern inklusive Schulgeld, wie dies im Klagenfurter Lais-Projekt der Fall ist, noch häuslicher Unterricht sei. Auch ein Sprecher des steirischen Landesschulrats tritt für eine "Veränderung der Praxis" ein.

Im Bildungsministerium spielt man den Ball an die Landesschulräte zurück. Diese könnten nach geltender Gesetzeslage die Bewilligung des häuslichen Unterrichts innerhalb eines Monats entziehen, wenn eben die Gleichwertigkeit des Unterrichts nicht gegeben sei. Genau darin liegt aber das Problem. "Bei der Anmeldung fragt keiner: Wer unterrichtet und wie?", sagt Heuras’ Pendant in Kärnten, Rudolf Altersberger. Er fordert, dass Informationen über Unterrichtsort und -art in Zukunft angegeben werden müssen. "In einem demokratischen System braucht es auch in den Schulen entsprechende Normen, Standards und vor allem Kontrollmöglichkeiten", sagt Altersberger. So sieht das auch Stefan Hopmann, Bildungsforscher an der Universität Wien. Asu seiner Sicht hätte die Schulaufsicht schon jetzt die Möglichkeit, größere Lais-"Schulen" zu untersagen: "Wenn solche Projekte einen schulförmigen Charakter annehmen, sich nach außen hin als Schule darstellen und auch Schulgeld verlangen, kann das nicht mehr als häuslicher Unterricht durchgehen. Wenn keine Bewilligung als Privatschule vorliegt und da 50, 60 Kinder zusammengefasst sind, kann die Behörde das schon jetzt untersagen". Auch Hopmann plädiert dafür, flächendeckend Externisten-Prüfungskommissionen zu installieren, damit eine faire, transparente und der Schulstufe angemessene Leistungsbewertung gewährleistet wird.

Landesschulratspräsident Altersberger berichtet zudem, dass unmittelbar nach der Berichterstattung der "Wiener Zeitung" zu Lais das Lais-Projekt in Klagenfurt einen Antrag auf Bewilligung als Privatschule eingereicht habe. Damit dieser positiv beschieden wird, braucht es allerdings entsprechende räumliche Ausstattung, eine Trägergesellschaft - und vor allem eines: Fachpädagogen mit Lehramtsprüfung.