Besonders gerne teilt Lepsinger Videos von Martin Selllner, der als zentrale Figur der Identitären in Österreich gilt und intensiv an deren internationalen Vernetzung und Verbreitung arbeitet. In einem der Videos empört sich Sellner über einen Zeitungsartikel, in dem Innenminister Wolfgang Sobotka vor der rechtsextremen Identitären Bewegung warnt.

"Ich kenne hier keinerlei Toleranz, hier kann man nicht von Rechtspopulismus sprechen, das sind klassische Rechtsradikale", zitiert Sellner den Innenminister, der die Identitären als "Gefahr für die Demokratie" bezeichnet.

Noch deutlicher wird Lepsinger in der Facebook-Gruppe "Die Runde (Das Original): "Wir senden auch auf Türkisch und Arabisch", steht in frakturähnlicher Schrift über einem Bild eines MG 42. "Radio Germania 90.3. 14000 Hits pro Minute... Geht ins Ohr. Bleibt im Kopf", ist im Bild zu lesen. Wusste Norbert Hofer, wen er sich da ins Parlament einlädt? "Er ist uns als Experte in Sachen Pflege genannt worden. Hätte ich gewusst, dass der Herr sich in der Nähe der Identitären befindet, hätten wir ihn natürlich niemals eingeladen", sagt Norbert Hofer zur "Wiener Zeitung". Hofers Sprecher Konrad Belakowitsch bestätigt, dass die Veranstaltung vom Büro Hofers initiiert worden war.

Ob Lepsinger nach wie vor mit der FPÖ kooperiert, auf FPÖ-Veranstaltungen spricht oder gar FPÖ-Mitglied ist? Seinem Wissen nach habe es seit der Veranstaltung im April 2016 keine weitere Kooperation mit Lepsinger gegeben, sagt Belakowitsch. Und ergänzt: "Was der Herr privat macht, ob er bei den Identitären engagiert ist, oder bei der SPÖ oder den Grünen, wissen wir nicht." Zumindest auf Facebook unterstützte Lepsinger energisch die Kandidatur Norbert Hofers für das höchste Amt im Staat. Dass er zumindest überzeugter FPÖ-Anhänger ist, ist aus den zahlreichen Einträgen klar herauszulesen. Lepsinger ist nach wie vor Mitglied in Hofer-Unterstützungsgruppen mit großer Mitgliederzahl. "Die FPÖ hat geschichtlich die längste demokratische Tradition unter den heutigen Parlamentsparteien!", schreibt er in einem Posting. Für die "Wiener Zeitung" war der aus Niederösterreich stammende Internist und Pflegegutachter bis Redaktionsschluss nicht erreichbar.

Aufregung um Hübner

Norbert Hofer gibt sich am Telefon zerknirscht. "Ich habe mich während des Wahlkampfs sehr bemüht, klarzumachen, dass ich mich von den Identitären distanziere", sagt er. "Ich will mit diesen Leuten nichts zu tun haben", sagte Hofer im Mai 2016 in einem APA-Interview. Und: "Alles, was extrem ist, ist zu verurteilen und im Keim zu ersticken."

Auch andernorts plagen Rechtsextremismus-Vorwürfe die FPÖ. Deren außenpolitischer Sprecher Johannes Hübner nahm laut "Standard" im Juni 2016 am Kongress der rechtsextremen "Gesellschaft für freie Publizistik" im deutschen Thüringen teil und hielt dort eine Rede, in der er den Schöpfer der Verfassung, Hans Kelsen, in bester Szene-Manier als "Hans Kohn" bezeichnete und Bundeskanzler Christian Kern als "exzellentest vernetzt in der Logenszene" diffamierte. Dieser reagierte, wie auch ÖVP-Chef Kurz, Grüne, Neos und Bundespräsident Van der Bellen, scharf auf Hübners Auftritt: Die Aussagen seien "absolut jenseitig und völlig inakzeptabel". "Um dieses Verhalten zu bewerten, muss man nicht lange unseren Wertekompass bemühen", so Kern. Grüne und Israelitische Kultusgemeinde fordern Hüberns Rücktritt, dieser selbst sieht sich als Opfer einer "Jagdgesellschaft".