Claudia Melnitzky, Personalleiterin des Wiener Ritz-Carlton, wiederum hat mit den Bewerbern für das Hotel auf der Messe die umgekehrte Erfahrung gemacht. "Die Mehrsprachigkeit wäre für uns zwar sehr interessant. Manche konnten aber zu wenig Deutsch, um bei uns im Service tätig zu sein. Im Roomkeeping bräuchte man nur Englischkenntnisse." Zwar habe sie im Anschluss an die Messe sechs Gespräche geführt, letztendlich kam es aber zu keiner Einstellung: "Da waren aber auch Ingenieure und Studienabsolventen darunter, die haben natürlich auch nicht den Wunsch, eine Hilfskräfteposition anzunehmen."

Auch dem Vienna Marriot Hotel brachte die Messe kein neues Personal: "Für uns haben sich zwar sehr, sehr viele interessiert, aber viele hatten noch die notwendigen Unterlagen noch nicht oder mussten noch auf den positiven Asylbescheid warten", erzählt Personalleiterin Gabriele Hasenauer. Flüchtlinge bleiben aber für beide Hotels zusätzliches Arbeitskräftepotenzial: Das Ritz-Carlton rekrutierte unabhängig von der Messe einige und auch Hasenauer sagt: "Wir sind sehr offen für Flüchtlinge, haben auch Lehrlinge, das funktioniert schon und ist für beide Seiten eine Chance."

Vielleicht hört eine der beiden bald von Hasan Al Kassier, dem 35-jährigen aus dem Irak. Er hat sich damals auch bei Hotels Visitkärtchen geholt, schließlich hofft er nach wie vor, seinen Abschluss auch in Österreich beruflich einsetzen zu können. "Und bei den Hotels gab es Leute, die gesagt haben, dass sehr viele Touristen in Wien Arabisch sprechen, das ist ja meine Muttersprache, das wäre schon sehr interessant für mich." Auch in einem Unternehmen, das am arabischen Markt tätig ist, sei für ihn vorstellbar.

Den subsidiären Schutz hat er jedenfalls "als Geschenk zu Silvester erhalten". Auch der Umzug nach Wien ist geschafft. Sein Deutsch wird nach dem Sommerkurs B2-Level haben, und bis dahin sollte auch das letzte Zeugnis für die erfolgreiche Anerkennung seines Studiums da sein. Und dann geht es los mit Bewerbungen, sagt Al Kassier: "Mein Ziel ist es, einen fixen Job zu erhalten. Es ist wichtig, Arbeit zu haben. Nicht nur weil es ohne Arbeit langweilig ist, auch für die Integration. Ich werde mich aber auch für ein Praktikum bewerben, damit ich zeigen kann, was ich kann."

Sein Können stellt er übrigens auch heute Abend unter Beweis: Hasan Al Kassier gibt den "Botschafter von Irgendwo" im Stück "Weder Lorbeerbaum noch Bettelstab" der 45. Schwechater Nestroyspiele — und steht gemeinsam mit seinem Buddy Franz Steiner in der Rolle des Weltenbummlers Überall auf der Bühne.