Wien. "Wie in einem schlechten Film ist auch hier freie Platzwahl." Die zweite Pressekonferenz der Liste Peter Pilz beginnt so launig, ja fast unterhaltsam, wie die erste verlaufen war. Es ist der zweite Streich des Meisters der Selbstinszenierung und der Sommerloch-Salamitaktik. In bester Stimmung begrüßt Pilz die Journalisten, in Begleitung von Bruno Rossmann und Wolfgang Zinggl, seinen beiden engen Vertrauten aus dem grünen Parlamentsklub, und der SPÖ-Parlamentarierin Daniela Holzinger.

Nur um gleich darauf wie aus dem Nichts zu einer scharfen Rede gegen Bundeskanzler Christian Kern anzusetzen: "Ich weiß nicht, was den Herrn Bundeskanzler bewogen hat, nach Deutschland zu fahren und vor Airbus auf die Knie zu fallen", sagt Pilz über Kerns jüngsten Versuch, mit dem Eurofighter-Hersteller über eine mögliche außergerichtliche Einigung ins Gespräch zu kommen.

Der Verteidigungsminister habe jedenfalls nichts von Kerns "unsinnigem Vergleichsangebot" gewusst, behauptet der ex-grüne Aufdecker. "Ich ersuche den Bundeskanzler, auch in einer Phase nicht allergrößter persönlicher Sicherheit, zumindest die Republik nicht zu schädigen", poltert Pilz. Selbst bei der - durchaus mit Spannung erwarteten - Vorstellung jener neuen Mitstreiter, die das Antreten der Liste am 15. Oktober durch ihre Unterschrift ermöglicht hatten, lässt es sich der Listenchef nicht nehmen, zuerst einmal mit "seinen" Themen in die Parade zu fahren. Peter Pilz ist in seinem Element.

Er sei allergisch gegen die Zwänge, die das Innenleben von Parteien eben mit sich bringen, heißt es aus seinem früheren Parteiumfeld bei den Grünen. Am Freitagvormittag wirkt es ganz so, als sei Pilz nun endlich dabei, das in Tat umzusetzen, was er schon lange im Kopf hatte: die Zügel selbst die Hand zu nehmen und sein eigenes Projekt zu realisieren.

Arbeitszeit, Steuern, Austerität

Bereits im April sei "die Entscheidung gefallen", nicht mehr für die SPÖ zu kandidieren, sagt Daniela Holzinger. Sie will das Parlament vom "Gesetzesempfänger wieder zum Gesetzgeber" machen und ein "freies Mandat gemäß Verfassung" erhalten. Besonders interessant sind Holzingers Andeutungen bezüglich ihrer Entscheidung im April: seit damals sei sie "vom Projekt begeistert gewesen", sie habe mit Pilz schon im Hypo-U-Ausschuss gut zusammengearbeitet.