Wien/Graz. Erleichterung, aber auch Furcht griff am Montag nach den schweren Unwettern in weiten Teilen Österreichs um sich. In vielen Regionen konnte mit den Aufräumarbeiten begonnen werden, in Tirol wurden sie bereits weitgehend abgeschlossen. Auch in der von den Unwettern besonders betroffenen Obersteiermark war die Lage entspannter. Eine allgemeine Entwarnung konnte aber noch nicht gegeben werden.

"Die Erleichterung hält an", sagte Harald Eitner, Leiter der Fachabteilung Katastrophenschutz und Landesverteidigung in der Steiermark, zur "Wiener Zeitung". Man habe allerdings schlimme Befürchtungen angesichts der Möglichkeit einer neuerlichen Gewitterbildung. "Jeder Tropfen kann das Fass zum Überlaufen bringen. Jeder Tropfen ist eine zusätzliche Gefahr", erklärte Eitner. Da die Rückhaltebecken bereits voll seien, versuche man derzeit, sie auszubaggern.

In der Steiermark wurden 16 Gemeinden zu Katastrophengebieten erklärt. Betroffen sind die Bezirke Murau, Murtal, Liezen und Leoben. "Keine Gefahr" stelle derzeit die Mur in Graz dar, erklärte Eitner. Deren Pegelstand war in der Nacht auf Sonntag erheblich angestiegen. Mehrere Radwege und die Muruferpromenade mussten gesperrt werden.

Vermisster tot aufgefunden

Die Folgen des Unwetters zeigten sich am Montag immer deutlicher. Im Tiroler Zillertal wurde am Montag die Leiche eines deutschen Wanderers gefunden. Der 57-Jährige war am Sonntag in den hochwasserführenden Floitenbach gestürzt und sogleich abgetrieben worden.

In der Steiermark wurden zwischen 100 und 200 Meter der Sölpaß-Straße komplett weggerissen. 4,5 Millionen Euro soll alleine die Wiederherstellung der Panoramastraße kosten, erklärte der steirische Landeshauptmannstellvertreter Michael Schickhofer (SPÖ).

Auch in der Landwirtschaft werden Schäden in Millionenhöhe erwartet. "Die Hagelversicherung schätzt die Verluste vorerst auf mehr als eine Million Euro, das genaue Schadensmaß wird noch erhoben", erklärte Bauernbund-Präsident Jakob Auer.

In Kärnten seien vor allem die landwirtschaftlichen Kulturen Mais, Soja und Grünland beschädigt worden, erklärte Christoph Gruber von der Landwirtschaftskammer Kärnten. Am Montagvormittag waren zudem noch 800 Haushalte von der Stromversorgung abgeschnitten. In der Nacht auf Montag rückten mehr als hundert Kärntner Feuerwehren an die 300 Mal zu Einsätzen aus.

Auch in Salzburg sind rund 30 Gemeinden im Pinzgau, Pongau und Lungau betroffen. Die Unwetter führten zu zahlreichen Murenabgängen und Erdrutschen, mehrere Straßen mussten aufgrund von Geröllmassen gesperrt werden. Sie sind aber aufgrund nächtelanger Arbeiten der Feuerwehr wieder befahrbar. Einzig die Katschbergstraße war montags noch unter drei Meter hohem Schlamm verschüttet.

In Salzburg haben die Bauern unter den Regenfällen besonders zu leiden. Die Unwetter hätten Auswirkungen auf alle Betriebsbereiche, sagte Ulrike Grabler von der Landwirtschaftskammer Salzburg. Vor allem Milchbauern hätten in den nächsten Wochen zu kämpfen, da das vermurte und überschwemmte Grünland das Heu für die Kühe zunichtemache. Der Hochwasseralarm für die Salzach im Pinzgau konnte nach Ende der Regenfälle wieder aufgehoben werden, die Aufräumarbeiten laufen auf Hochtouren.

Den Geschädigten sollen nun auf unbürokratischem Wege Mittel aus dem Katastrophenfond zugutekommen. Bis zu 400 Millionen Euro stellt der Fond dafür zur Verfügung. In der Obersteiermark können betroffene Personen bei ihren Gemeinden Entschädigungsanträge einreichen.

Finanzielle Hilfe versprachen auch Bundeskanzler Christian Kern und Außenminister Sebastian Kurz bei ihren Besuchen in den Katastrophengebieten. Beide Politiker verschafften sich in Oberwölz, das von den Unwettern besonders in Mitleidenschaft gezogen wurde, ein Bild der Lage.