Stephanie Poggenburg, Allgemeinmedizinerin und am Institut für Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung der Medizinuni Graz tätig, zeichnet für die Studie verantwortlich. Ein Fazit daraus sei: Die zwei beziehungsweise 16 Prozent der Jungmediziner, die Hausarzt werden wollen, seien sicher zu wenige, um den Bedarf in einer alternden Gesellschaft zu decken.

Jährlich schließen rund 1200 Mediziner ihr Studium ab, zwischen 800 und 900 werden mit der Ärzteausbildung fertig - wie viele davon Allgemeinmediziner sind, sei statistisch nicht erfassbar. Um die Zahl der Hausärzte halten zu können, bräuchte es jährlich einen Zugang von 400 Allgemeinmedizinern, aber den gibt es nicht. Stattdessen ist in den kommenden zehn Jahren ein Abgang von 60 Prozent der Hausärzte in die Pension zu erwarten.

Zurück zur Studie: Für den Hausärzteberuf spreche die persönliche und langjährige Arzt-Patienten-Beziehung, die Bandbreite der Behandlung "banaler" gesundheitlicher Probleme wie auch das Eingreifen bei Notfällen. Auch die berufliche Selbständigkeit sieht die überwiegende Mehrheit als Vorteil an. Das Berufsleben als Kassenarzt hat laut der Befragung aber auch Nachteile: Die Jungmediziner erwarteten sich zu einem hohen Prozentsatz zu wenig Zeit für den Patienten, zu viele Vorgaben durch die Krankenkassen. Das Einkommen des Hausarztes im Vergleich zu Fachärzten wird als zu gering eingeschätzt.

ÖÄK: Lehrpraxen müssen öffentlich bezahlt werden

Mit ein großes Problem für die Ärztekammer ist nach wie vor die Ausbildung. Zwar ist nun eine Lehrpraxis für angehende Allgemeinmediziner Pflicht - aber nur ein halbes Jahr, und das kann auch in einer Spitalsambulanz geleistet werden. Das sei nicht Sinn und Zweck, erklärte Karlheinz Kornhäusl, Obmann der Allgemeinmediziner in der ÖÄK. Denn da bekomme man eben nicht mit, wie es in einer Arztpraxis tatsächlich ablaufe. Außerdem verlangt die Ärztekammer eine komplette Abgeltung dieser Kosten. Jetzt zahlen die Länder die Sozialversicherung je 30 Prozent und 10 Prozent der Bund. Das bedeutet, dass 30 Prozent der Kosten bei den Ärzten verbleiben. Aber, so das Argument der Ärztekammer: Ein Facharzt wird im Spital ausgebildet - das zahlt die Allgemeinheit. Für ein Jahr Lehrpraxis würden die Kosten 16 Millionen Euro betragen.