Wien. (koss) Schon vor dem Ende der Abgabefrist der Bundeswahlvorschläge ist klar: Im Oktober stehen mehr Kandidaten als jemals zuvor zur Wahl. Insgesamt treten 16 wahlwerbende Parteien an, österreichweit werden sich Wähler zwischen zehn Parteien entscheiden können.

Durch Abspaltungen entstanden neue Möglichkeiten, so die Liste des Ex-Grünen-Politikers Peter Pilz und die Freie Liste Österreich des aus der FPÖ ausgeschlossenen Karl Schnell. Drei neue Parteien haben es geschafft, die nötigen Unterstützungserklärungen für den Wahlantritt zu erhalten. KPÖ Plus und die Liste "G!LT" des Kabarettisten Roland Düringer haben die nötigen 2600 Unterschriften gesammelt, "Die Weißen" bekamen Unterstützung von Abgeordneten des Team Stronach. Bei der SPÖ tut sich an der vordersten Stelle der Bundeslisten wenig, unter den ersten zehn Plätzen tummeln sich ausschließlich aus dem Nationalrat bekannte Gesichter, mit Bundeskanzler Christian Kern auf dem ersten Platz. "Wir sind nämlich nicht neu - im Gegenteil, unsere Idee hat eine stolze Geschichte", betonte Kern auf dem SPÖ-Parteitag.

Zwischen Neuem und Altem


Besonders die ÖVP ließ im Vorfeld große Veränderungen unter den Kandidaten vermuten - und präsentierte tatsächlich mit dem Ex-Rechnungshof-Präsidenten Josef Moser an dritter Stelle einen Überraschungskandidaten. Der Rest der Liste blieb vorhersehbar.

Auch der blaue Bundeswahlvorschlag setzt besonders auf erfahrene Persönlichkeiten. Heinz-Christian Strache kandidiert bereits zum vierten Mal als Spitzenkandidat für eine Nationalratswahl. Besonders stechen in der Bundesliste der Freiheitlichen Walter Rosenkranz und Marlene Svazek hervor. Sie werden ihre Arbeit im Nationalrat nur für kurze Zeit ausführen können, da sie die jeweilige Landespartei in Niederösterreich und Salzburg anführen müssen.

Bei den Neos sorgte vor allem die lange unentschlossene Irmgard Griss für Schlagzeilen, sie kandidiert nun auf Platz zwei der Bundesliste. Nummer eins ist klarerweise Matthias Strolz: "Frau Griss ist für mich eine Ermunterung, Sport zu machen", gibt er sich mit seiner Zweitplatzierten zufrieden.

Die Grünen hatten ihre Bundesliste bereits auf dem Parteikongress im Juni bestimmt. "Wer die FPÖ nicht will, muss Grün wählen, weil wir machen sicher nicht blau", so das Motto der Spitzenkandidatin Lunacek.

Politik mit Humor


Die Liste Pilz versorgt die Öffentlichkeit häppchenweise mit Vorstellungen der antretenden Kandidaten. Die Reihung der Bundesliste stand zu Redaktionsschluss aber noch nicht fest.

Eine besondere Art, über die Reihung zu entscheiden, hatte Robert Düringers "G!LT" - hier wurden die Plätze erst durch Casting und Online-Test, dann durch Losung bestimmt. An erster Stelle steht nun der 70-jährige Pensionist Günther Lassi. Düringer selbst tritt in Kärnten an - "weil über die Kärntner so schlecht geredet wurde in letzter Zeit".

Die ehemalige KPÖ, schon seit dem Jahr 1959 nicht mehr im Nationalrat vertreten, fusionierte heuer mit den "Jungen Grünen". Für die KPÖ Plus tritt trotzdem wieder Mirko Messner als Spitzenkandidat an.

Besonders unerwartet erfolgte der Antritt der Liste "Die Weißen". Im Nationalrat haben sie vor, so abzustimmen, wie per Handy-App befragte "interessierte Menschen" das wollen.

Die endgültigen Bundeslisten werden nach der Sitzung der Bundeswahlbehörde am 31. August veröffentlicht. Bis dahin hat die zuständige Wahlbehörde die Möglichkeit, die Kandidaturen doch nicht zuzulassen.