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Wien. Knapp zehn Jahre ist der Ausbruch der globalen Finanzkrise nun her, Zweifel an der bisherigen Geldwirtschaft sind bis heute geblieben. So geht es zum Beispiel bei der derzeit in Wien stattfindenden Tagung des "Vereins für Socialpolitik" um "alternative Geld- und Finanzarchitekturen". Und somit um den Umgang mit neuen, digitalen Währungen und die mögliche Abschaffung von Bargeld.

Diese soll helfen, Kriminalität einzudämmen, und den Zentralbanken Zinsen weit unter null Prozent ermöglichen. Zudem verursacht Bargeld hohe Kosten, die künftig wegfallen würden, so die Befürworter. Für Hans Gersbach, Professor für Makroökonomie an der ETH Zürich und Organisator der Tagung, sind diese Argumente fadenscheinig. "Keiner der drei Gründe ist stichhaltig", so der Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats des deutschen Wirtschaftsministeriums.

OeNB gegen Bargeldobergrenze


Laut einer Umfrage der EU-Kommission im heurigen Frühjahr über die Einführung einer einheitlichen Obergrenze für Bargeldzahlungen halten sich hartnäckig die Befürchtungen der kompletten Bargeldabschaffung. Auch wenn die Ergebnisse der Studie erst im Herbst veröffentlicht werden sollen, sieht EU-Digitalkommissar Günther Oettinger das Ende des Bargelds kommen. Tendenziell würden sich die Transaktionen ins Digitale verlagern, sagte er.

Für Ewald Nowotny, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), ist eine solche Überlegung "absurd". Auch sieht er keine Notwendigkeit für eine Bargeldobergrenze, die es österreichweit bisher nur in der Bauindustrie gibt. Nowotny pocht auf nationale Lösungen und spricht sich gegen eine gesamteuropäische Regelung aus.

In vielen EU-Ländern gibt es bereits Obergrenzen für Barzahlungen, vor allem in den Ländern mit hoher Korruptionsrate. So dürfen in Frankreich und Portugal nur noch Bargeldzahlungen bis maximal 1000 Euro erfolgen, in Italien sind es 3000 Euro.

Vorbeugend gegen eine bargeldlose Zeit fordert die FPÖ, allen voran Vizeparteichef Norbert Hofer, seit einem Jahr die verfassungsrechtliche Absicherung des Bargelds in Österreich. Ein Bundesverfassungsgesetz soll die uneingeschränkte Nutzung im Zahlungsverkehr garantieren. Die FPÖ fürchtet eine schleichende Abschaffung des Bargelds durch die Europäische Union. Denn im Mai vergangenen Jahres entschied der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) das Ende des 500-Euro-Scheins. Hintergrund ist die Eindämmung von Terrorfinanzierung und Schwarzarbeit.