Wien. (rei) "Beträchtliche Verbindungen und Einfluss" der aus Ägypten stammenden, radikalen Muslimbruderschaft in Österreich ortet eine neue Studie der George Washington Universität in Kooperation mit der Universität Wien. Die Muslimbruderschaft könne sich auf ein "gut verankertes Netzwerk von Unterstützern in politischen, institutionellen und medialen Kreisen" stützen, schreibt Studienautor Lorenzo Vidino im vorliegenden Studienbericht.

Vidino, Direktor des Extremismus-Forschungsprogramms an der George Washington Universität, differenziert zwischen eigentlichen Mitgliedern der Muslimbrüder, Organisationen, die der islamistischen Organisation nahe stehen und von den Muslimbrüdern beeinflusste Organisationen, Personen und Gruppen. Die Studie nennt auch konkrete Organisationen, die unter Einfluss der Muslimbruderschaft stehen: Demnach ist der "Liga Kultur Verein" eine der wichtigsten Vereinigungen, die mit den Muslimbrüdern in Verbindung stehen.

Auch IGGiÖ betroffen


Ebenfalls unter Einfluss der Muslimbrüder stehe die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ), diese habe eine "zentrale Rolle" bei der Verbreitung der Positionen des Milieus der Muslimbrüder gespielt. Besonders die Islamische Religionspädagogische Akademie (IRPA), zuständig für die Ausbildung der islamischen Religionslehrer, weise "mehrere Verbindungen" zu den Muslimbrüdern auf. Auch sei in der IGGiÖ ein hochrangiges Mitglied der Muslimbrüder aktiv - und zwar in der prominenten Position eines Muftis. Die Muslimbrüder, so der Studienautor, würden auf eine Spaltung der Gesellschaft und eine Stärkung des politischen Islams abzielen. Kritik am Islam würde pauschal als "Islamophobie" abgelehnt, auch würde teilweise seitens der Muslimbrüder Gewalt gerechtfertigt. Dies würde ein "förderndes Umfeld für Radikalisierung" darstellen, die Ziele der Muslimbrüder würden "im Widerspruch zu den rechtsstaatlichen Werten in Österreich stehen", so Vidino.