Österreich ist eines jener europäischen Länder mit den meisten gesetzlichen Feiertagen (11), das ist einer mehr als in den USA, doch im Gegensatz zu den Amerikanern hat jeder Österreicher und jede Österreicherin Anspruch auf mindestens fünf Urlaubswochen (25 Tage). Davon können die meisten Amis nur träumen.

"Business zu machen ist schwierig, wenn man ständig auf Urlaub ist"

Der Historiker Gunter Bischof lebt seit über 30 Jahren in den USA, er leitet das Center Austria an der University of New Orleans und sagt: "Als Außenstehender fällt mir auf, dass die Beamtenschaft in Österreich sehr viel auf Urlaub ist." Bischof, der in seinem Arbeitsalltag viel Kontakt mit österreichischen Ministerien hat, ergänzt: "Wenn jemand wochenlang weg ist, wird es schwierig, Business zu machen."

Bischof ist gebürtiger Vorarlberger, geht selten auf Urlaub und weiß nicht einmal, wieviel Urlaubsanspruch er theoretisch hätte. Fehlen ihm die Erholungsphasen nicht? "Mir macht der Job so viel Spaß, dass mir die Erholung nicht abgeht – vielleicht liegt das am Fleiß, den man den Vorarlbergern nachsagt." An sechs Tagen pro Woche arbeitet er an seinem Institut, er hat nicht vor in Pension zu gehen, bevor er 70 Jahre alt ist. Auf Urlaub geht er nur, wenn er seine Familie in Österreich besucht.

Der österreichische Soziologe Flecker hingegen spricht sich für die allgemeine Verringerung der Arbeitszeit in Österreich aus, denn das würde Arbeit auf alle sozialen Gruppen verteilen, und zu mehr Vereinbarkeit zwischen Arbeit und Familie führen, wie er sagt. "Ob Arbeitszeitverkürzung auf individueller oder allgemeiner Ebene macht einen riesen Unterschied", so Flecker.

Umfeld spielt für den Stellenwert der Arbeit eine maßgebliche Rolle

Arbeitsstunden sagen jedoch wenig über den Arbeitsethos oder den Wert von Arbeit im Leben eines Menschen aus. Dabei spielt auch das Arbeitsumfeld eine maßgebliche Rolle – und einige Österreicher in New York finden das Umfeld in den USA stimulierender als jenes zuhause.

Eine von ihnen ist die Oberösterreicherin Lisa Silbermayr. Sie wuchs in Wien auf und lebt seit drei Jahren in New York. Sie ging nach New York, um an der School of Visual Arts zu studieren, und ist hängengeblieben. Heute arbeitet sie für ein Architekturbüro in Manhattan und reist beruflich mehrmals pro Jahr. Wenn sie zurückkommt, ist es stets dasselbe Spiel; sie muss mit ihrem Personalbüro um Zeitausgleich kämpfen. Streitigkeiten über Arbeitszeiten sind in ihrem Büro keine Seltenheit: Da sick days vom Urlaub abgezogen werden, ist es in ihrem Büro üblich, dass sich Mitarbeiter krank ins Büro schleppen, einen halben Tag lang arbeiten, und dann nach Hause gehen.