Auch Sebastian Kurz sagte am Sonntag bei ATV, dass er die Zahl 12 der Silberstein- bzw. Puller-Mitarbeiter in der Facebook-Causa von Journalisten erfahren habe, mit denen er in den "vergangenen Tagen" gesprochen habe. Öffentlich wurde die Affäre am Samstagnachmittag. An einem wird die SPÖ aber nicht vorbeikommen: Wie sich derartiges im engsten Parteiumfeld ereignen konnte, erschüttert in der Partei jeden Funktionär. Und diese Frage bis zum Wahltag am 15. Oktober schlüssig zu beantworten, wird Christian Kern schwerfallen, sehr schwer.

Chronologie

Jänner 2017: Aufgrund der sich abzeichnenden Neuwahlen engagieren der Bundeskanzler und SPÖ-Chef Christian Kern sowie SPÖ-Bundesgeschäftsführer Georg Niedermühlbichler den PR-Berater Tal Silberstein. Seine offizielle Aufgabe: Umfragen-Interpretation und Analyse von Fokusgruppen.

März 2017: Nachdem die ÖVP vermutete, dass Tal Silberstein im Auftrag der SPÖ im Privatleben von Sebastian Kurz herumschnüffelt, stellt sie an die SPÖ eine parlamentarische Anfrage. Sie will wissen, ob dem Kanzleramt Kosten für Silberstein erwachsen sind. Silberstein arbeite für die SPÖ und nicht für das Kanzleramt, sagt Kern in der Anfragebeantwortung.

Juli 2017: Nach internen Auseinandersetzungen im SPÖ-Team wirft der erst kurz zuvor engagierte Kampagnenmanager Stefan Sengl das Handtuch.

August 2017: Silberstein wird im Zusammenhang mit Korruptions- und Geldwäschevorwürfen festgenommen. Die SPÖ trennt sich von ihrem Berater.

September 2017: Aus geleakten Unterlagen Silbersteins geht hervor, dass die SPÖ mehrere Anti-Kurz-Videos produzieren ließ. Eines davon wurde auf der rechtslastigen Seite "Die Wahrheit über Sebastian Kurz" veröffentlicht. Zudem kursieren interne SPÖ-Mails, die Kern als eitel und unerfahren darstellen. Nach den Veröffentlichungen zu den Anti-Kurz-Seiten kündigt die SPÖ eine Anzeige gegen unbekannt an. Sie erhofft sich Aufklärung über die Akteure.