Überhaupt erklärte Kurz mehrere Male in dem Duell, dass er seine Vorhaben als Kanzler umsetzen würde. Der ÖVP-Obmann und Außenminister kritisierte Kern hier scharf, da er in den vergangenen Jahren dessen Unterstützung auf europäischer Ebene vermisste. Sollte er ins Kanzleramt einziehen, würde ihn sein Ministerteam jedenfalls unterstützen im Kampf gegen illegale Migration und nicht versuchen, ihn zu verhindern, so Kurz.

Keine Toleranz für Islamismus

Einig waren sich die beiden Parteichefs, dass es für politischen Islamismus keine Toleranz geben dürfe. Kurz wiederholte hier seine Kritik an der Personalausstattung des Kultusamts, Kern wies den Vorwurf der Untätigkeit zurück und verwies darauf, dass nun 60 Imame wegen Verdachts der Auslandsfinanzierung geprüft werden. Den Vorwurf, als Integrationsminister untätig gewesen zu sein, wies wiederum Kurz zurück und sah sich oft von SPÖ oder Stadt Wien blockiert in seinen Plänen. Er betonte daher: "Wenn ich Bundeskanzler werde, werde ich definitiv mit meinen Ministern anders vorgehen. Ich werde es abstellen, dass es immer einen Spiegelminister gibt, der den eigentlich Zuständigen blockiert."

Beim Thema Steuern sah Kern den ÖVP-Spitzenkandidaten als Vertreter der Reichen und Großunternehmer, für diese würde das ÖVP-Steuerkonzept Geschenke vorsehen. Auf die Alleinerzieherinnen etwa werde dabei aber vergessen. Kurz betonte, er wolle als erstes eine Lohn- und Einkommenssteuersenkung umsetzen, auch bewarb er den Kinderbonus für Familien. Letzteren müssten Alleinerzieherinnen aber erst von den Vätern einfordern, kritisierte Kern. Er monierte auch, dass die ÖVP entgegen der ersten Ankündigung nicht bei der Unterhaltsgarantie mitgeht. Kurz erklärte hier, man wolle verhindern, dass weiteres Geld ins Ausland fließt, die ÖVP habe daher ein eigenes Modell vorgelegt. Kern plädierte dafür, die Steuerlast gerecht zu verteilen und will daher die Regelung für Unternehmen wie Starbucks verschärfen.

"Völliger Lavendel"

Auch die bewährten Taferl kamen zum Einsatz, Kurz etwa hielt dem früheren ÖBB-Chef Kern eine Grafik über die Schere zwischen Manager-und Mitarbeitergehältern bei der Bahn entgegen. Außerdem unterstellte er der SPÖ Wahlkampffinanzierung über Vereinsstrukturen. Dies sei aber "völliger Lavendel", wie der SPÖ-Chef meinte. Kern stellte außerdem einmal mehr klar, dass der Industrielle Hans Peter Haselsteiner anders als Kurz im Sommergespräch behauptet hatte, der SPÖ nicht 100.000 Euro gespendet habe.

Beim Thema Jobs war Kern verärgert, dass die ÖVP der Gleichstellung von Arbeitern und Angestellten nun nicht zustimmt. Kurz erklärte dazu, er will keine Husch-Pfusch-Aktion vor der Wahl, sondern eine ordentliche Begutachtung. Problematisch ist für ihn, dass es weiter zwei verschiedene Betriebsräte geben soll. Der SPÖ-Chef ist der Meinung, Kurz wurde hier vom Wirtschaftsbund "zurückgepfiffen". "Mich pfeift gar niemand zurück, keine Sorge", meinte der neue ÖVP-Obmann lapidar.

Wirkliche Geschenke wurden lediglich beim Eintreffen der Teilnehmer verteilt. Kurz hielt für Kern ein - gebrauchtes - Buch von John F. Kennedy bereit. Dieses handle unter anderem von Courage und Anstand, passend zur aktuellen Situation, wie Kurz feststellte. Kern hat dieses zwar schon zuhause, nahm es aber trotzdem an und überreichte dem ÖVP-Chef dann einen Gutschein für ein Candle Light Dinner für gemeinsame Zeit mit seiner Partnerin.

Apropos Partner, die Frage, ob eine neue Koalition von SPÖ und ÖVP möglich ist, blieb unbeantwortet.