Prag/Budapest. (czar/klh) Ein Kommentar hier, ein einzelner Artikel dort, aber es ist nicht sonderlich viel. Das Interesse in Tschechien an den österreichischen Wahlen hält sich in Grenzen; der heimische Urnengang spielt in den öffentlichen Debatten im Nachbarland nur eine marginale Rolle. Das liegt vor allem daran, dass in Tschechien am 20. und 21. Oktober selbst gewählt wird - und das eigene Votum freilich derzeit alle anderen Themen überstrahlt.

Ein weiterer Grund für das geringere Interesse ist aber auch, dass der FPÖ diesmal kaum Chancen auf Platz eins gegeben werden. Vor allem das Thema FPÖ hat nämlich in der Vergangenheit in Tschechien Staub aufgewirbelt. Wobei: Während die FPÖ früher, etwa im Streit um die Benes-Dekrete, in Prag als größtes Hindernis für gute nachbarschaftliche Beziehungen angesehen wurde, teilen mittlerweile viele tschechische Politiker Positionen der Freiheitlichen.

Allen voran Tschechiens Präsident Milos Zeman, der ursprünglich dem sozialdemokratischen Lager entstammt. Wie die FPÖ hat er ein Naheverhältnis zu Russland und hat sich gegen die Sanktionen gegen den Kreml ausgesprochen. Und auch in der Flüchtlingsfrage ähneln Linie und Rhetorik des tschechischen Staatsoberhaupts der FPÖ: Während Heinz-Christian Strache kürzlich verlangte, dass Flüchtlinge aus Syrien wieder zurück in ihre Heimat müssen, sprach sich Zeman von Anfang an gegen die Aufnahme von Syrern in Tschechien aus und bezeichnete die Fluchtbewegungen aus Syrien als "organisierte Invasion". Es mag daher mehr als Zufall gewesen sein, dass Zeman im September 2016 während der Kampagne für die österreichische Präsidentschaftswahl Norbert Hofer empfing.

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Zeman weiß aber in seiner ablehnenden Haltung gegenüber Flüchtlingen den Großteil der tschechischen Bevölkerung hinter sich. 2691 Flüchtlinge wurden dem Land im Rahmen der EU-Quoten zugeteilt, zwölf nahm die Regierung, die aus den Sozialdemokraten und der Partei ANO des Milliardärs Andrej Babi besteht, bisher auf. Unklar ist, wer das nächste Kabinett bilden wird, in den Umfragen liegt ANO voran.

Sicher ist hingegen, dass auch die künftige Regierung Flüchtlingsquoten ablehnen wird. Und sie wird gespannt sein, wie sich das nächste österreichische Kabinett, wie dieses auch aussehen mag, verhalten wird.

Wen die Regierung in Budapest wiederum gerne im Bundeskanzleramt in Wien sähe, ist ziemlich klar. Außenminister Péter Szijjártó macht aus seiner Sympathie für seinen österreichischen Amtskollegen Sebastian Kurz keinen Hehl. Die nationalkonservative Fraktion Fidesz und die ÖVP gehören der gleichen Parteienfamilie an, und die Zusammenarbeit zwischen Ungarn und Österreich funktionierte ausgesprochen gut, als es darum ging, die Balkan-Route zu schließen.

Dennoch hängt es in erster Linie von den Themen ab, ob die Kooperation Österreichs mit den Nachbarn besser oder schlechter läuft. Während die Interessen beim Grenzschutz beispielsweise ähnlich gelagert sind, kann es in anderen Bereichen Differenzen geben. Bei der Entsendung von Arbeitern pochen die Osteuropäer auf Freizügigkeit - und die Österreicher auf Schutz vor billigerer Konkurrenz.