Beide werden das - anders als Blimlinger, der diesem Gremium nicht angehört - als Mitglieder des erweiterten Bundesvorstandes am Freitag einbringen.

Aber nicht nur auf Bundesebene, auch in Wien suchen manche Grüne nach Verantwortlichen für das Wahldebakel. So heißt es, dass Maria Vassilakous Ignorieren der Urabstimmung gegen das Bauprojekt am Heumarkt auch bei den Bundeswahlen Stimmen gekostet habe. Der grüne Wiener Klubobmann David Ellensohn beendet das Sägen am Sessel der Wiener Parteichefin vorerst mal: "Alle sind noch getroffen und auf der Suche nach Gründen. Da wird man kein singuläres Ereignis finden, dass zu 100 Prozent verantwortlich für das Ergebnis ist."

(Finanzielle) Solidarität der Landesorganisationen

Eine weitere Ursache des Ergebnisses sehen viele in den geringen Ressourcen. Nicht nur der aktuelle, schon der Bundespräsidentschaftswahlkampf hat die Grünen viel Geld, Energie, "Man- und Womenpower" gekostet. Die Parteikassen sind leer, werden mit einem schlechten Wahlergebnis noch leerer: Schaffen die Grünen die Vier-Prozent-Hürde nicht, verlieren sie 8,9 Millionen Euro Bundesförderung. Dazu kommen Kosten in Millionenhöhe für die Bundesklubauflösung und die Verkleinerung der Parteizentrale. Aber selbst wenn es sich ausgeht, sind es Schulden in Millionenhöhe (siehe "Grüne in den roten Zahlen").

Hier ist laut Salzer die Solidarität aller Länderorganisationen gefordert. Das ist laut Ellensohn "zwar alles andere als lustig, aber logisch und machbar". Den konkreten Betrag errechne man bis Freitag, dann kenne man auch das tatsächliche Endergebnis und verteile die Kosten. "Das ist ein ganz normaler Vorgang."

Listenbildung und Themen schwierig zu vermitteln

Dazu kam gleich am Wahlabend von verschiedenen Seiten noch die Kritik an der Vermittlung der Grünen Inhalte, "zu komplex und schwierig zu vermitteln" und die Listenbildung, "zwar demokratisch, aber kräfteraubend, weil man schon im Vorfeld Allianzen suchen müsse", hieß es von mehreren Seiten.

Die Vergangenheitsbewältigung der Grünen darf jedenfalls nicht allzu lange dauern. Schließlich stehen im kommenden Jahr Landtagswahlen an. Die erste in Niederösterreich schon im Jänner, aber auch in Tirol, Kärnten und Salzburg sind 2018 Wahlen zu schlagen.

Liste Pilz

Noch nicht ganz entspannt darf sich auch die Liste Pilz geben — selbst wenn die am Montag eintreffenden Wahlkartenauszählungen die 4,3 Prozent, die einen Einzug in den Nationalrat sichern würden, bestätigten. Und beim Endergebnis in St. Pölten überholte die Liste mit 4,59 Prozent noch um 41 Stimmen die Neos (4,46 Prozent). Seine stärksten Ergebnisse fuhr Pilz aber in ehemaligen Wiener Grünen-Hochburgen ein, in Wien-Neubau sind es zum Beispiel 12,1 Prozent. Bei einem Treffen am Montag wurde "für die kommenden Tage" eine Klausur angesetzt, einen genauen Zeitpunkt gibt es nicht. Es gibt aber bereits Hinweise darauf, dass man sich einen neuen Namen geben wird. Sollte die Liste in das Hohe Haus einziehen, stehen ihnen acht Mandate zu. Diese gehen vermutlich an Peter Pilz, Startup-Coach Stephanie Cox, Anwalt Alfred Noll, die früheren Abgeordneten Daniela Holzinger (SPÖ) und den grünen Budgetsprecher Bruno Rossmann, Anwältin Alma Zadic, Sebastian Bohrn Mena, Direktor der Volkshochschule Penzing, und Biochemikerin Renee Schröder.