Schon an ihrem allerersten Tag brachen die Grünen mit den Usancen im Hohen Haus und machten "dem Sprichwort Neue-Besen-kehren-gut alle Ehre", berichtete die APA damals. Noch vor der Angelobung verlangten sie die Einsetzung eines eigenen Umweltausschusses, das wurde zwar abgelehnt. Aber: Es kam ein neuer Drive ins Hohe Haus.

Dieser machte sich auch beim Bezug der Räumlichkeiten bemerkbar: Die Grünen zogen nicht nur mit Sack und Pack, sondern auch 20 Mitarbeitern ein. "Das war im Parlament was Neues, passierte die Arbeit doch in den Kammern und Vorfeldorganisationen, im Parlament hatte die SPÖ damals gerade sechs Leute, die für sie arbeiteten", sagt Wabl.

Grüner Aktionismus

Die Grünen führten aber auch das Dauerreden als Mittel im Parlament ein, um auf Themen aufmerksam zu machen. Der erste war Walter Geyer, später hielt Madeleine Petrovic mit einer Marathonrede zum Thema Tropenholz von zehn Stunden und 35 Minuten lange den Rekord. Der wurde schließlich von Werner Kogler im Budget-Ausschuss im Dezember 2010 mit 12 Stunden 42 Minuten gebrochen, weil die Regierung die Budgetverhandlungen wegen Landtagswahlen verschoben hatten. Er startete übrigens mit: "Am Anfang war der Verfassungsbruch..." Und endete mit: "Das war eigentlich schon alles, was ich gesagt haben wollte."

Aber auch Mittel der Straße, wie Taferl, Spruchbänder, Ballons, T-Shirts und anderes mehr zogen ins Parlament ein für die Umwelt, gegen Draken-Abfangjäger, für mehr Pflegegeld oder für Gleichstellung Schwuler und Lesben, gegen Verschärfungen von Asylgesetzen und anderes mehr. Da war zum Beispiel Wabl, der nicht nur das mangelnde Verantwortungsbewusstsein des damaligen Bundespräsident Kurt Waldheim für Kriegsverbrechen von Österreichern anprangerte. Wabl untermauerte seine Rede mit dem Ausrollen Hakenkreuz-Fahne, "aus dem ORF-Fundus". Da war auch Christine Heindl, die 1990 für Aufregung im Parlament sorgte, als sie ihr Baby im Parlament stillte: Sie habe damit nicht "den Mut zum Stillen, sondern dazu, trotz eines Kindes ins Parlament zu gehen" bewiesen, sagte sie.

Und die Grünen beobachteten FPÖ-Abgeordnete mit Kinderfeldstechern im Zuge der "Spitzelaffäre". Polizeigewerkschafter haben der FPÖ damals Abgeordneten in kriminalpolizeiliche Akten Einsicht gewährt.

Grüne Kontrolle der Macht

Zugegeben, mit Peter Pilz bleibt ein Ex-Grüner Aufdecker im Parlament. Mit Gabriele Moser, Karl Öllinger und Werner Kogler scheiden aber andere aus. Wabl und Geyer haben den Grundstein für das Image der "Sauberpartei ohne Korruption" gelegt: "Wenn wir das nicht gemacht hätten, wäre vieles davon nie ans Tageslicht gekommen", sagt Pilz. Mit Lucona, Norikum, dem Wiener Baukartell, Buwog, Telekom, Novomatic, Hypo und natürlich dem Eurofighter-Kauf haben die Grünen eine lange, hier unvollständige Liste an von ihnen aufgedeckten Skandalen und Affären vorzuweisen.

Auf Initiative der Partei können U-Ausschüsse heute auch von einem Drittel der Parlamentarier beantragt werden. Auch im Rechnungshof-Ausschuss hatte die Partei mit Wabl, Kogler und Moser drei Jahrzehnte lang die Leitung inne. Die grüne Kontrolle wird im Parlament fehlen.