Wien. (jm/rei) Das Ergebnis der Parlamentswahlen stand Donnerstagnacht endgültig fest und wurde tags darauf offiziell verkündet. Damit wurden die Weichen für die bevorstehenden Koalitionsgespräche für eine neue österreichische Regierung gestellt. Der Wahlsieger Sebastian Kurz hat sich am späten Freitagvormittag in der Hofburg eingefunden, wo ihm Bundespräsident Alexander Van der Bellen den Auftrag für die Regierungsbildung erteilt hat.

Zuerst, sagte Kurz am Freitag in einem ersten Statement nach seinem Treffen mit Van der Bellen, werde er mit den kleineren Parteien sprechen. Erst dann werde er die Sachlage mit den größeren Parteien, also mit SPÖ und FPÖ, "ausloten". Danach werde er wiederum den Bundespräsidenten und die Öffentlichkeit informieren, mit wem die ÖVP gedenkt, in konkrete Koalitionsverhandlungen zu treten. Am wahrscheinlichsten dafür gilt derzeit die FPÖ.

Dazu lud Kurz umgehend zu sogenannten Annäherungsgesprächen, in deren Genuss Neos-Obmann Matthias Strolz gleich am Freitagnachmittag kommen sollte. Am Samstag folgen der wahrscheinlichste Koalitionspartner, FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, sowie Listengründer Peter Pilz. Erst Sonntagabend kommt es zum Treffen zwischen Kurz und dem noch amtierenden Bundeskanzler und SPÖ-Vorsitzenden Christian Kern.

Gernot Blümel, den Kurz aus der gemeinsamen Zeit in der Jungen ÖVP kennt, sagte am Freitag, dass er weiter den schwarzen Ableger in Wien anführen und bei der Wien-Wahl 2020 antreten wolle. Die Annahme eines Ministeramts schloss er damit nicht aus. Zu Koalitionspräferenzen und -bedingungen äußerte sich Blümel nicht.

Während im In- und Ausland kaum mit der Möglichkeit einer erneuten ÖVP-SPÖ Koalition gerechnet wird, heizten am Freitagvormittag Medienberichte über ein Treffen zwischen Innenminister Wolfgang Sobotka und Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil Spekulationen über inoffizielle Annäherungen zwischen Rot und Schwarz an. Treffen mit Ministerkollegen seien "üblich, wir treffen uns regelmäßig", dementierte Doskozil die Spekulationen.

Es sei weit hergeholt, wenn man glaube, dass zwei Minister öffentlich über die Regierungsbildung verhandeln. Die beiden hatten sich in einem Wiener Hotel getroffen: "Wir treffen uns meistens dort, weil wir dort gemeinsam eine rauchen", erklärte Doskozil am Rande einer Pressekonferenz zu den bevorstehenden Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag.