Qualität der Betreuung ist nicht gesichert

Die Vertreter der Personenberatung und -betreuung der Wirtschaftskammern Wien und Niederösterreich wiesen kürzlich darauf hin, dass die Zertifikate von Personenbetreuenden mit rund 300 Stunden der Ausbildung einer Heimhilfe entspricht. Pflegekräfte haben übrigens eine zumindest dreijährige Ausbildung. Erst im September wurde aber wieder einmal über gefälschte Zertifikate berichtet. Zwar gebe es laut Noch-Sozialminister Alois Stöger jährlich 5000 Kontrollen in der 24-Stunden-Betreuung. In der Wifo-Studie zum Thema steht aber vermerkt: "Regelmäßige Überprüfungen der Betreuungsqualität in den Haushalten finden nicht statt." Die Wirtschaftskammern rühmten sich, Kurse in den Herkunftsländern etwa zum Thema Demenz anzubieten. Ein Vermittler wies aber darauf hin, dass dieser Kurs in Rumänien gerade mal einer von 1000 Personenbetreuerinnen zu Gute kam.

24-Stunden echte Pflege ist nicht leistbar

Die Kosten für zwei 24-Stunden-Betreuerinnen, die sich im 14-tägigen Rhythmus abwechseln, betragen laut Wifo-Studie 2400 Euro monatlich. Nach Abzug des Pflegegeldes der Stufe 4 und der Förderung von 550 Euro muss der zu Pflegende oder seine Angehörigen noch 1200 Euro monatlich finanzieren. Unselbstständig Beschäftigte zu Hause wären mehr als doppelt so teuer. Und stationäre Pflege? Die kostet für Private um 900 Euro monatlich mehr. Die Bundesländer, die solche Sachleistungen finanzieren, müssten aber weitere 1400 Euro zuzahlen. Also hat auch die öffentliche Hand keinen Grund, qualitätsgesicherte Pflege anstelle von 24-Stunden-Betreuung zu fördern.

Zurück zu den im Wahlkampf versprochenen Vorhaben: Auf Nachfrage sprach Norbert Hofer bei der Präsentation des FPÖ-Programms von 4,75 Milliarden Euro an "Reibungsverlusten", die im Gesundheitssystem für die Finanzierung der Pflege zu heben seien. Er schlägt eine Bundesgenossenschaft, in die die mobile Pflege und 24-Stunden-Betreuung inkludiert werden, vor. Das wäre, siehe oben, wohl kaum leistbar.

Sebastian Kurz und Kollegen sprechen vom One-Stop-Shop für die Genehmigung von Geld- und Sachleistungen, besserer Pflegefreistellung und steuerlicher Absetzbarkeit. Dazu schlägt man "optimale Betreuungsmöglichkeiten", Richtlinien für die Betreuungsintensität und mehr "Kooperationen von Kindergärten mit Pflegeheimen" vor. Da braucht es wohl noch mehr Ideen, um die Pflegeprobleme zu lösen.