Linz. 41 Prozent der österreichischen Frauen sind schon einmal von einem Mann sexuell belästigt worden. Das ergab eine am Mittwoch veröffentlichte Erhebung des Linzer Market-Instituts. Von den befragten Männern gaben neun Prozent an, schon einmal von einem Geschlechtsgenossen und sieben Prozent, von einer Frau belästigt worden zu sein.

Market interviewte online insgesamt 409 Personen (198 Männer und 211 Frauen) über 18 Jahre.

Auch sonst spiegeln die Umfrageergebnisse große Unterschiede in der Wahrnehmung des Problems von Frauen und Männern wider: 40 Prozent der Frauen, aber nur 27 Prozent der Männer den Bereich sexuelle Belästigung als wichtig und relevant ein. Jüngere und Stadtbewohner halten die Diskussion über sexuelle Belästigung eher für hilfreich, während Ältere und Landbewohner sie eher für überzogen halten. Nur ein Viertel (22 Prozent der Männer, 29 Prozent der Frauen) findet der Online-Umfrage zufolge, die breite Diskussion hilft der Gesellschaft weiter, 60 Prozent der Frauen und genau zwei Drittel der Männer halten sie für übertrieben.

Alle wissen, was sexuelle Belästigung bedeutet

Darüber, was als sexuelle Belästigung gewertet wird, sind sich Männer und Frauen großteils einig. So zählen jeweils über 90 Prozent absichtliche Berührungen der Brust bzw. im Schritt dazu. Po-Grapschen geht für mehr als 80 Prozent gar nicht. Bei eindeutigen Blicken, etwa aufs Dekollete oder das Gesäß, sehen nur 13 Prozent der Männer ein Fehlverhalten, während ein Drittel der Frauen sich dadurch belästigt fühlt. Komplimente über das Aussehen oder die Attraktivität werteten nur drei Prozent der Damen und ein Prozent der Herren als lästig.

Fragt man nach den Tätern, so nennen drei Viertel der Befragten alkoholisierte Männer, gefolgt von solchen in Führungspositionen, wobei hier 58 Prozent der Männer, aber nur 46 Prozent der Frauen zustimmten. Auch Männer mit Migrationshintergrund waren bei 54 Prozent ihrer Geschlechtsgenossen, aber nur bei 38 Prozent der Frauen besonders verdächtig.

"Reizvolles Äußeres"

Auf die Frage "Und woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass sexuelle Belästigung fast nur von Männern begangen wird?" antworteten 54 Prozent (68 Prozent der Männer, 41 Prozent der Frauen), dass es Männern eher egal sei, wenn sie belästigt würden und dies daher weniger Aufsehen errege. 40 Prozent bei beiden Geschlechtern dachten, dass so ein Verhalten bei Männern eher als Kavaliersdelikt eingestuft wird. Ein knappes Viertel der Herren und 43 Prozent der Damen erklärte sich das mit der körperlichen Überlegenheit des Mannes. Ein Drittel der Männer und ein Fünftel der Frauen entschieden sich für die Antwort "Frauen provozieren Männer durch ihr reizvolles Äußeres". Die Genetik des Mannes (21 Prozent beide) und "Männern passiert sexuelle Belästigung unbewusst" (20 Prozent der Männer, zwölf Prozent der Frauen) waren weitere Erklärungen.

90 Prozent der Befragten beiderlei Geschlechts denken, dass Frauen - zumindest in Ausnahmefällen - auch einen persönlichen Vorteil aus einer sexuellen Belästigung ziehen können. Lediglich zwei Prozent waren der Meinung, dass alle Frauen ausschließlich Opfer sind, acht Prozent machten keine Angabe.