Gregor Woschnagg (l.) berät seit 2009 die von Heinrich Pecina gegründeten VCP. - © apa/Schmidt, apa/Fohringer
Gregor Woschnagg (l.) berät seit 2009 die von Heinrich Pecina gegründeten VCP. - © apa/Schmidt, apa/Fohringer

Wien. Dass Wiens Chancen als neuer Sitz der EU-Arzneimittelbehörde EMA und der Bankenaufsicht EBA nicht zum Besten stehen, war bereits vor der Abstimmung klar. Doch das Votum der EU-Außenminister vom Montag unterbot alle Erwartungen, insbesondere beim Kampf um die EMA mit 900 hochqualifizierten Mitarbeitern, die im Zuge des Brexit aus London abwandern müssen. Nur vier Punkte erhielt Wien als EMA-Sitz bei der Abstimmung unter den verbleibenden 27 EU-Ländern - drei davon vergab Österreich selbst.

Die Niederlage ist nicht nur eine für die heimische EMA-Steuerungsgruppe, in der zuletzt Bundeskanzleramt, Gesundheits-, Wirtschafts-, Finanz-, Außenministerium, Wirtschaftsagentur Wien und Wirtschaftskammer Wien vertreten waren. Sondern auch für Gregor Woschnagg. Von 1999 bis 2007 diente er als Botschafter Österreichs bei der Europäischen Union und war damit zentraler Verbindungsmann zu den EU-Institutionen. Danach ging er in Pension. Im Jänner dieses Jahres wurde Woschnagg als Lobbyist für Wiens Kandidatur engagiert. Er verfüge "wie sich im Zuge des Prozesses bestätigt hat, über hervorragende Netzwerke in alle EU-Mitgliedsstaaten", teilte die Wirtschaftsagentur Wien kurz vor der Abstimmung der "Wiener Zeitung" schriftlich mit. Die Wirtschaftsagentur Wien und das Gesundheitsministerium schlossen gemeinsam den Vertrag mit Woschnagg.

Erfolgsprämie und Reisespesen

Demnach übte der Lobbyist seine Tätigkeit unentgeltlich aus. "Nur für den Fall eines Zuschlages für Wien ist eine Erfolgsprämie vereinbart. Anfallende Kosten im Zuge seiner regen Reisetätigkeit werden zu gleichen Teilen von Wirtschaftsagentur Wien und Gesundheitsministerium übernommen."

Während Woschnagg für Wien lobbyierte, hatte er zwei weitere Mandate inne. Bereits seit 2007 ist der mittlerweile 78-Jährige außenpolitischer Berater der Industriellenvereinigung. Zudem ist Woschnagg seit 2009 für das Investmenthaus Vienna Capital Partners (VCP) tätig, er steht an der Spitze des Beratergremiums (International Advisory Board).

Juristisch kein Konflikt


Gründer und Senior Partner der VCP ist Investmentbanker Heinrich Pecina. Er wurde im August im Hypo-Prozess der Untreue schuldig gesprochen und des Betrugs schuldig erkannt. Dabei ging es um ein Gutachten, welches die Bank HSBC für den Verkauf der Hypo-Anteile an die Bayerische Landesbank erstellt hatte. Eigentlich hätte es die Hypo-Verkäuferin Kärntner Landesholding zahlen müssen. Tatsächlich hat eine Hypo-Tochter die 4,3 Millionen Euro an VCP bezahlt, die den Deal abgewickelt haben. Pecina gestand, zahlte drei Millionen Euro Wiedergutmachung. Er erhielt 22 Monate Haft bedingt und eine Geldstrafe in Höhe von 288.000 Euro. Der Investmentbanker nahm das Urteil an.