Wien. Nimmt man rein den atmosphärischen Eindruck, so haben es die Koalitionsverhandler einigermaßen eilig. Als am Freitagnachmittag nach der Präsentation des Verhandlungszwischenstandes die Journalisten mit ihren Fragen am Wort waren, konnte es ÖVP-Generalsekretärin und Nationalratspräsidentin Elisabeth Köstinger offensichtlich nicht schnell genug gehen, die Pressekonferenz zu beenden - doch die Nachfragen wollten kein Ende nehmen.

Vorgestellt wurden am Freitag die Ergebnisse aus dem Verhandlungsbereich Umwelt. Die Vorhaben von ÖVP und FPÖ - am Freitag war für die Freiheitlichen wieder Vizeparteichef Norbert Hofer am Wort - sind in Teilbereichen ambitioniert, viel Konkretes aber war von den beiden Spitzenverhandlern nicht zu hören.

Umwelt sei ein "Politikfeld, in dem wir uns beweisen werden", kündigte Norbert Hofer an. Die Treibhausgas-Emissionen wolle man bis 2020 um 16 Prozent gegenüber 2005 reduzieren, wie genau, das ließ Hofer aber weitestgehend offen. Laut EU-Vorgaben müssen bis 2030 36 Prozent der Emissionen eingespart werden.

Bis 2030 100 Prozent Ökostrom

Als Maßnahmen zur Dekarbonisierung nannte Hofer den Ausbau der Elektrifizierung im öffentlichen Verkehr, eine verstärkte Nutzung von heimischem Holz in der Bauwirtschaft und die Umstellung der Beheizung öffentlicher Gebäude auf erneuerbare Energieträger. Dass es für emissionsfreie Fahrzeuge - also Elektroautos - bessere Anreize geben soll, war von Hofer bereits am Donnerstag bei der Vorstellung der Ergebnisse aus den Bereichen Verkehr und Infrastruktur zu hören. Unterstützung der neuen Regierung dürfen sich wohl vor allem Bundesländer wie Tirol erwarten, die stark unter dem Transitverkehr leiden. Hofer nannte hier die Einführung neuer Höchstbelastungsgrenzen.

Ambitioniertestes Ziel der schwarz-blauen Regierungsverhandler: Bis 2030 soll der gesamte Strom in Österreich aus erneuerbaren Energieträgern gewonnen werden. Auf Kohle und Atomenergie soll vollständig verzichtet werden, auch auf europäischer Ebene will sich die künftige neue Regierung gegen Atomkraft einsetzen: Im Zuge der Brexit-Verhandlungen wollen ÖVP und FPÖ den Euratom-Vertrag neu verhandeln und dabei sollen jene Länder, die auf Atomstrom künftig gänzlich verzichten wollen, finanziell bessergestellt werden.