Pechar, Pichl und Vitouch (v. l. n. r.) sind sich einig: Die Universitäten müssen redimensioniert und neu finanziert werden. - © WZ
Pechar, Pichl und Vitouch (v. l. n. r.) sind sich einig: Die Universitäten müssen redimensioniert und neu finanziert werden. - © WZ

Wien. Aus den Koalitionsverhandlungen ist nahezu nichts zum Bereich Wissenschaft zu erfahren. Die handelnden Personen - Rektoren, leitende Beamte, Hochschulforscher - gehen derzeit davon aus, dass der bereits existierende Plan zur Studienplatzfinanzierung von der neuen Regierung umgesetzt wird. Beschlossen ist ja derzeit nur die Erhöhung des Uni-Budgets - allerdings schon mit Blick auf die Neugestaltung der Mittelverteilung.

Bei einer Veranstaltung des Netzwerks Hochschulforschung Österreich wurde Montag und Dienstag die Frage "Quo Vadis Hochschule?" thematisiert. Sowohl Hochschul-Sektionschef Elmar Pichl vom Wissenschaftsministerium und der Vorsitzende der Universitätenkonferenz (uniko) Oliver Vitouch als auch Bildungsforscher Hans Pechar sind sich einig: Die Universitäten müssen neu aufgestellt und finanziert werden.

Zeitmangel


Die Verhandlungen darüber wird aber Vitouch nicht mehr selbst mit der Regierung führen. Denn er wird sich am kommenden Montag der Wahl als uniko-Chef nicht mehr stellen, wie er der "Wiener Zeitung" sagte. Als Gründe machte er mangelnde Zeit geltend. Denn das Pendeln zwischen Wien und Klagenfurt, wo er ja als Rektor der Alpen-Adria-Universität fungiert, sei zu zeitaufwendig. Vitouch war ursprünglich nur stellvertretender Vorsitzender der uniko, übernahm aber nach dem Wechsel der damaligen Rektorenchefin Sonja Hammerschmid in die Regierung die Führung. Jetzt könnte wieder eine Frau folgen. Spekuliert wird damit, dass Eva Blimlinger, die Rektorin der Akademie der bildenden Künste, Vitouch an der Spitze der Rektoren ablöst. Vitouch wollte dazu nichts sagen, meinte aber, dass es schön wäre, wenn wieder eine Frau ans Ruder käme, und: Als Stellvertreter stünde er wieder zur Verfügung. Zur Wahl stehen alle 21 Uni-Rektoren des Landes.

Als eine seiner letzten Forderungen als Rektorenchef gilt nunmehr: keine öffentlichen Mittel für Privatunis. Grund dafür ist, dass der Bund für die Jahre 2018 bis 2020 für jeweils drei Millionen Euro 25 Anfänger-Studienplätze an der Salzburger Paracelsus Privatuni zukauft. Überhaupt, so sagte er bei der Veranstaltung, zeige sich bei den Medizin-Unis der Föderalismus "in seiner schlechtesten Form". Alle Bundesländer drängten jetzt darauf, eine Medizin-Uni zu haben. Eine weitere Forderung Vitouchs ist die Umsetzung einer Studienplatzfinanzierung, die Zulassungsbestimmungen zur Folge hat.

Umstellung wird konfliktreich


Langfristig sollte die Aufteilung der Studierenden auf Fachhochschulen (FH) und Universitäten im Verhältnis 60:40 sein. "Dieser Prozess wird aber sehr, sehr lange dauern", erklärte Pechar. "Osterreich ist das einzige Land, in dem mehr als 80 Prozent aller Studierenden an Forschungsuniversitäten sind", sagte Pechar. "Das zeigt, dass bei der Hochschulexpansion etwas massiv schief gelaufen ist." Der Aufbau der Fachhochschulen sollte die Universitäten entlasten, was aber bisher nicht gelungen sei: An den FH studieren etwa 40.000 Jugendliche, an den Universitäten 280.000, von denen aber nur 120.000 Vollzeit studieren.

In gut funktionierenden öffentlichen Hochschulsystemen stehen Top-Universitäten an der Spitze einer Pyramide, darunter gibt es abgestuft andere Hochschulen - als Beispiel wurde Kalifornien genannt. In Österreich ist die Pyramide auf den Kopf gestellt. Da haben Fachhochschulen und andere Hochschulen Zugangskriterien - die Universitäten als höchste Forschungseinrichtungen des Landes aber nicht. Daher werde, so Hochschulforscher Pechar, eine Redimensionierung der Universitäten kommen müssen. Das werde einen langen Zeitraum umfassen und sehr konfliktträchtig sein. Die derzeitigen Studienbedingungen würden das Prokrastinieren begünstigen. Er trete daher für eine vorgegebene Studiendauer ein, sagte Pechar. "Eine Deadline ist für manche Menschen ein Motivationsschub."