Vorschriften für Unternehmen, aber auch bestehende EU-Vorgaben seine daher zu "durchforsten", so Strache. Zudem kündigte er eine Reform des Verwaltungsstrafrechts an. Der Fachkräftemangel soll durch eine entsprechende Initiative nach internationalem Vorbild bekämpft werden, wobei eine Reform der Rot-Weiß-Rot-Card zwar auch mehr ausländische Fachkräfte ins Land holen soll, die mögliche neue schwarz-blaue Regierung aber verstärkt auf Fachausbildung im eigenen Land setzen werde. Auch das ist Lesern der Wahlprogramme von ÖVP und FPÖ bekannt, auch hier blieb es am Mittwoch bei "Überschriften", wie Strache selbst zugab, die man "mit Leben erfüllen wollen und werde".

Vermittlerrolle bei Russland

Interessant die Antworten der beiden Parteichefs und Chefverhandler zum Thema Russlandsanktionen. Die deutliche Nähe des möglichen künftigen Juniorpartners von Sebastian Kurz zum Regime des russischen Präsidenten Wladimir Putin könnte in dieser Frage spätestens mit der österreichischen Übernahme des EU-Ratsvorsitzes Mitte 2018 relevant werden. Die FPÖ hat mit Putins Partei "Einiges Russland" nicht nur ein Arbeitsübereinkommen unterzeichnet, sondern setzte sich auch im Wahlkampf recht unmissverständlich für die sofortige Abschaffung der EU-Sanktionen gegen Russland ein. Wie wichtig ist Strache, in der heiklen Russland-Frage schon jetzt eine gemeinsame Linie festzulegen? "Ziel ist es nach wie vor, dass diese Sanktionen irgendwann Geschichte sein werden", antwortete Strache ausweichend, man werde weiter mit "allen Beteiligten den Kontakt suchen, wenn das gewünscht ist". Er wolle mithelfen, die "Spannungen abzubauen", und, sobald es Fortschritte gebe, auch die Sanktionen schrittweise reduzieren. Nationalen Alleingang aber werde es keinen geben, betonten beide Parteichefs ihre "sehr ähnliche Zielsetzung".

Wann es bei den Koalitionsverhandlungen Fortschritte bei den heiklen Punkten Rauchverbot und direkte Demokratie geben wird, ließen Kurz und Strache am Mittwoch nicht durchblicken. Ein prominenter Schwarzer, Othmar Karas, ÖVP-Delegationsleiter in Brüssel, positionierte sich am Mittwoch jedoch eindeutig kritisch: "Wer verwendet die Instrumente der direkten Demokratie derzeit? Brexit, Katalonien, Ungarn, Erdogan", sagte Karas bei einer Pressekonferenz zu seiner nun vorliegenden Dissertation zur direkten Demokratie.