Wien. Bei der Fortsetzung des Untreueprozesses gegen Ex-Finanzminister Karl Heinz Grasser und andere war heute die Korruptionsstaatsanwaltschaft am Wort - und legte eine einfache Rechnung vor: Grasser habe sich durch Untreue und Bestechung auf Steuerzahlerkosten 21 Jahresgehälter quasi selbst ausbezahlt.

Wie schon bei der Buwog wollten Grasser sowie seine damaligen Freunde Walter Meischberger, Peter Hochegger und Ernst Karl Plech bei der Einmietung der Finanzbehörden in den Linzer Terminal Tower "kassieren", so Oberstaatsanwalt Alexander Marchart.

Wobei sie in Linz zuerst die Rechnung ohne den Wirt gemacht hätten. Da die Träger des Baukonsortiums für den Tower, der Baukonzern Porr und die Raiffeisen Landesbank OÖ, sich sicher waren, kein Schmiergeld für den Zuschlag der Finanz bezahlen zu müssen, habe man das Begehr von Grasser und Co nach derartigen Zahlungen abgelehnt.

Grünes Licht von Grasser nach 200.000 Euro

Woraufhin sich Grasser bei der Übersiedlung der Finanz quergelegt hat, so der Vorwurf der Anklage. Eine Sitzung, bei der der Zuschlag erfolgen sollte, habe Grasser frühzeitig verlassen, ohne seine Beamten anzuhören. Dem Sitzungsprotokoll zufolge waren alle Experten für die Einmietung - nur Grasser sei dagegen gewesen. Erst nachdem 200.000 Euro unter der Hand geflossen seien, sei das grüne Licht des damaligen Finanzministers gekommen, so die Ankläger.

Um die Zahlungen zu verschleiern, seien Briefkastenfirmen in Steuerparadiesen gegründet worden, in denen Grasser nie als berechtigter aufscheine. Die Berechtigten seien hingegen Meischberger und Plech - und einmal die Ehegattin von Grasser gewesen.

Halbe Million "Schwiegermuttergeld"

Ein besonderes Augenmerk widmete die Korruptionsstaatsanwaltschaft dem sogenannten "Schwiegermuttergeld", sprich 500.000 Euro, die Grasser von seiner Schwiegermutter erhalten haben will, um sein Veranlagungstalent zu testen. Laut Staatsanwaltschaft kann Grasser das Geld aber nicht von ihr haben, da die handelnden Personen bei der angeblichen Geldübergabe gar nicht anwesend waren. Obendrein hat die Schwiegermutter bei den Finanzbehörden angegeben, nicht die Inhaberin des Geldes zu sein.

Jedenfalls hat Grasser laut Anklage fast 500.000 Euro in zwei prall gefüllten Kuverts an einen Mitarbeiter der Meinl-Bank übergeben - außerhalb der Geschäftszeiten und vor allem ohne Beleg. Was laut Oberstaatsanwaltschaft gerade bei Grasser besonders unüblich war, weil man bei der Hausdurchsuchung bei ihm "tonnenweise" Belege gefunden habe.