Wien. Grasser sei korrupt und ein Lügner. Ein System aus "Geld, Gier und Geheimnissen" habe er aufgebaut. "In die eigene Tasche" habe der Ex-Finanzminister gewirtschaftet - zum Schaden der Steuerzahler. Es sind scharfe Worte, welche die Oberstaatsanwälte Gerald Denk und Alexander Marchart am zweiten Verhandlungstag des Buwog-Prozesses im Wiener Straflandesgericht verwenden.

Die Stunde der beiden Ankläger der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft hat geschlagen. Ihre jahrelange Arbeit können sie - wie auch Karl-Heinz Grassers Anwalt Manfred Ainedter - am Mittwoch in ihrem Eröffnungsplädoyer präsentieren. Nachdem zuletzt die angebliche Befangenheit von Richterin Marion Hohenecker im Fokus stand, rücken nun wieder die Vorwürfe gegen Grasser und vierzehn weitere Angeklagte in den Mittelpunkt.

Für Denk und Marchart ist klar: Gemeinsam mit seinen Freunden hat Grasser "ein System der Korruption" aufgebaut. Dabei habe er sich doch in einer Broschüre in seiner Zeit als Finanzminister gegen Bestechung und Korruption ausgesprochen, sagt Marchart. "Grasser war nicht Teil der Lösung des Problems, sondern Teil des Problems selbst."

Die Anklagepunkte

Im Prozess wollen sich die beiden vor allem auf Zeugen stützen. Konkret dreht sich ihre Anklage um zwei Themenkomplexe: die Privatisierung der staatlichen Wohnungseigentumsgesellschaften (Buwog und andere Gesellschaften) 2004 und die Einmietung der Finanz in den Linzer Terminal Tower 2006.

Die Buwog-Privatisierung brachte den ebenfalls angeklagten Walter Meischberger und Peter Hochegger 9,6 Millionen Euro an Provision ein. Sie hatten dem letztlich siegreichen Bieter Immofinanz den entscheidenden Tipp gegeben, wie viel er bieten muss, um den Zuschlag zu erhalten. Wer Meischberger diesen entscheidenden Tipp gegeben hat, weiß der Lobbyist nach eigenen Angaben nicht mehr.

Dieser Tipp sei von Grasser gekommen, halten die Ankläger in ihrem Plädoyer fest. Dafür habe er dann von der Immofinanz - deren ehemaliger Chef Karl Petrikovics ist ebenfalls angeklagt - Bestechungsgelder erhalten. Schmiergeld ist laut den Staatsanwälten zudem bei der Causa Terminal Tower geflossen. Auch hier hätten Grasser, Meischberger, Hochegger und der Ex-Immobilienmakler Ernst Karl Plech "kassieren" wollen, so Marchart. 200.000 Euro habe das Baukonsortium für den Tower unter der Hand fließen lassen müssen, damit sich die Finanz in das Gebäude einmiete. Im Hintergrund habe Grasser jeweils die Fäden bei den Vorgängen gezogen, sagt Marchart: "Korruption spielt sich hinter verschlossenen Türen ab."