Demonstrationen gegen Studiengebühren 2012: Auch jetzt ist die österreichische Hochschülerschaft empört. - © apa/Georg Hochmuth
Demonstrationen gegen Studiengebühren 2012: Auch jetzt ist die österreichische Hochschülerschaft empört. - © apa/Georg Hochmuth

Wien. Schon im Vorfeld sorgte es für einen Aufschrei bei der Österreichischen HochschülerInnenschaft: Studiengebühren einzuführen, sei "an Zynismus nicht zu überbieten", sagte etwa Hannah Lutz vom Verband Sozialistischer StudentInnen hinsichtlich der ohnehin wirtschaftlich schwierigen Situation vieler Hochschüler. Um die 500 Euro im Semester könnten die Gebühren betragen, drang während der Koalitionsverhandlungen nach außen. Jetzt sollen es nur mehr "moderate Beiträge" sein - in welcher Höhe, bleibt offen.

Ziel ist es, das Studium verbindlicher zu machen: Davon erhofft sich die neue Regierung mehr und rascher Absolventen, die auch nach ihrem Studium dem österreichischen Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Man wolle beim "Bildungsniveau aller gesellschaftlichen Schichten an die internationale Realität aufschließen". Auch die in Österreich hohe Drop-out-Quote soll gesenkt werden.

Keine "britischen Verhältnisse"


Freilich: Heinz Faßmann, Migrationsexperte und neuer Bildungs- und Wissenschaftsminister, nimmt allzu alarmistischen Reaktionen auf die Regierungspläne vorsorglich den Wind aus den Segeln. Die grundsätzliche Finanzierung der Unis und vor allem Investitionen in die Grundlagenforschung hätten Priorität. Der Plan, Studiengebühren einzuführen, müsse "nicht morgen erfolgen, aber auch nicht bis in alle Ewigkeit eingefroren werden", sagt Faßmann. Was aber versteht er unter "moderaten Gebühren"? Die Höhe sei noch nicht definiert, sondern sei Gegenstand künftiger Verhandlungen mit dem Koalitionspartner. "Ich möchte mich daher bewusst noch nicht festlegen. "Britische Verhältnisse streben wir aber sicher nicht an", sagt Faßmann zur "Wiener Zeitung".

Als Modell hat die Regierung Semestergebühren geplant, die nachträglich von der Steuer absetzbar sein sollen. Im Regierungsprogramm ist sowohl von einer Ausweitung des Studienzuschusses als auch einer Reform des Leistungsstipendiensystems die Rede - was sowohl die Ausweitung als auch das Einschränken von Stipendien zur Folge haben kann.

In puncto Gebühren aber ist zumindest ein Ziel im Programm genau definiert: Man plant, "den privaten Finanzierungsanteil im tertiären Bereich auf OECD-Schnitt zu steigern", das sind 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. In Österreich wären das stolze 1,85 Milliarden Euro - rechnet man dies auf die rund 380.000 Studierenden an Österreichs Universitäten herunter, käme man auf einen jährlichen Betrag von 5000 Euro. Ein moderater Beitrag?