"Für österreichische Verhältnisse wäre das natürlich nicht moderat. Wirft man jedoch einen Blick auf die anglo-amerikanischen Spitzenuniversitäten, zu denen wir hierzulande gerne aufschließen möchten, so sind Beiträge in dieser Höhe jedenfalls nicht die Ausnahme", sagt Faßmann. Der Minister tritt auch Befürchtungen entgegen, dass Studiengebühren zu einer noch stärkeren sozialen Selektion an den Unis führen könnten: "Die Einhebung der Beträge soll an eine Reihe von Maßnahmen gekoppelt werden, um schwächer gestellten Studierenden das Studium auch künftig zu ermöglichen. So sollen beispielsweise Studienanfänger/innen von der Einhebung befreit sein." Es soll einen "leistungsorientierten Bildungsscheck" geben, nach erfolgreich absolviertem Studium sollen die geleisteten Beiträge steuerlich absetzbar sein. Faßmann: "Am Ende müssen somit nicht alle Studierenden Beiträge entrichten."

Disziplinierende Wirkung

Für den Bildungsminister ist aber eines klar: Der private Finanzierungsanteil wird und soll steigen. "Gemeint sind damit sowohl Beiträge der Bildungsteilnehmer und ihrer Haushalte, also auch Mittel, die von Unternehmen kommen." Also Studienbeiträge zusammen mit privaten Geldern für unterschiedliche Hochschuleinrichtungen, für die Unternehmen Ausbildungen und Studiengänge für ihre Mitarbeiter finanzieren.

"Das ist eine Form der Finanzierung, die im Kontext des lebensbegleitenden Lernens aller Voraussicht nach auch für den Hochschulbereich an Bedeutung gewinnen wird", sagt Faßmann. Mit Klagen seitens der EU aufgrund einer möglichen Ungleichbehandlung ausländischer Studierender rechnet Faßmann übrigens nicht.

Der Linzer Volkswirtschafter Friedrich Schneider erwartet sich von der Einführung der Gebühren einen steuernden Effekt. Diese sei auch vor der Abschaffung der Gebühren zu beobachten gewesen. "Die Studierenden forderten ein, dass Lehrveranstaltungen und Prüfungen öfter angeboten werden. Das hatte eine disziplinierende Wirkung auf die Lehre, die ich heute schon wieder vermisse." Die steuerliche Absetzbarkeit sieht er allerdings kritisch: "Davon profitieren wieder jene mit höheren Einkommen mehr, weil sie mehr Steuern zahlen. Wenn für Geistes- oder Sozialwissenschafter keine Negativsteuer vorgesehen wird, was nicht geplant scheint, haben sie weniger davon", sagt Schneider.