Vom Krieg gezeichnet: Eine Kinderzeichnung aus der Kindertherapie beim Verein Hemayat. - © Hemayat
Vom Krieg gezeichnet: Eine Kinderzeichnung aus der Kindertherapie beim Verein Hemayat. - © Hemayat

Wien. Der Raum: beengt. Die Bewegungsfreiheit: eingeschränkt. Die Zukunft: ungewiss. So beschreiben die Autoren des jüngst erschienenen "Positionspapiers zur Flüchtlingsversorgung" die Bedingungen in Erstaufnahmelagern für Flüchtlinge in Österreich. Keine angemessene Umgebung für Menschen, die in ihrem Heimatland verfolgt und gefoltert wurden – und deswegen in vielen Fällen traumatisiert sind.

Zwar ist die Zahl der Asylanträge im Vorjahr weiter zurückgegangen: Waren es 2016 noch 42.285 gewesen, so stellten 2017 mit 24.296 nur noch etwa halb so viele Menschen einen Antrag auf Asyl. Doch auch wenn die Zahlen stark rückläufig sind, bleiben Flüchtlinge eine "sehr vulnerable Gruppe mit besonderen Vorbelastungen", wie es im Positionspapier der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik (ÖGPP) sowie für Sozialpsychiatrie (ÖGSP) heißt.

Wie viele Flüchtlinge, die nach Österreich gekommen sind, traumatisiert sind, ist unbekannt. "Genaue Zahlen dazu gibt es nicht, aber Posttraumatische Belastungsstörungen betreffen nach ausländischen Studien etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung. Bei Flüchtlingen liegt dieser Wert bei etwa zehn Prozent", sagt Johannes Wancata, Leiter der klinischen Abteilung für Sozialpsychiatrie der MedUni Wien, zur "Wiener Zeitung".

Flüchtlinge brauchen Verantwortung

Dass viele Geflüchtete unter Traumatisierungen infolge von Krieg, Folter oder Vergewaltigung leiden, bestätigt Miriam Lehner. Sie ist klinische und Gesundheitspsychologin und Fachbereichsleitern für Asyl und Integration bei der Caritas. "Ein Großteil weist Symptome wie Schlafstörungen, Angstzustände, Nervosität und Unruhe auf", sagt sie. Die Tatsache, dass die Menschen nicht wissen, ob sie bleiben können, führt zu erhöhtem Stress. Lange Asylverfahren erhöhen die Unsicherheit. Derzeit dauern sie laut Innenministerium rund 6,6 Monate. Rechnet man jedoch ältere Verfahren mit ein, ergeben sich Zeiten von rund 16 Monaten. "Durch die langen Wartezeiten wird der Zustand der Traumatisierung verstärkt, und die Symptome werden schwerer behandelbar", sagt Lehner.

"Gefängnis": Eine Arbeit aus der Kunsttherapiegruppe. - © Hemayat
"Gefängnis": Eine Arbeit aus der Kunsttherapiegruppe. - © Hemayat

Wenn Flüchtlinge ohne jede sinnvolle Beschäftigungsmöglichkeit auf ihren Asylentscheid warten, hat dies Auswirkungen auf ihr psychisches Befinden. "Wir brauchen schnellere Asylverfahren. Aber zuerst müssen wir den Menschen Verantwortung geben. Sinnvolle Tätigkeiten, wie selbst den Haushalt erledigen oder Mithilfe in einem Gemeindezentrum, tragen zur Stabilisierung bei", sagt Wancata, der das Positionspapier mitherausgegeben hat.