Wien. Österreichs der Fläche nach größtes Bundesland wählt diesen Sonntag einen neuen Landtag. In rund 2600 Wahlsprengeln sind mehr als 1,3 Millionen Menschen (714.021 Frauen, 672.322 Männer) wahlberechtigt. Im Landtag in St. Pölten sind 56 Mandate zu vergeben. Um die Sitze rittern am ÖVP, SPÖ, FPÖ und Grüne sowie erstmals die Neos. Diese fünf Parteien treten landesweit an. Nur in den Wahlkreisen Amstetten, Melk und Mödling kandidiert zudem die Christliche Partei Österreichs (CPÖ), im Wahlkreis Baden die Liste "Wir für Niederösterreich".

30.000 Beisitzer und Ersatzbeisitzer werden am Sonntag in 2623 Wahllokalen im Einsatz sein. Wer seine Stimme persönlich abgibt, kann dies in Euratsfeld (Bezirk Amstetten) und in einem Wahllokal in Wiener Neustadt bereits ab 6 Uhr Früh tun. Die ersten Wahllokale schließen schon um 10 Uhr, bis 16 Uhr sind dann die allermeisten Lokale zu. Nur zwei Wahlstuben halten bis 17 Uhr offen. Und zwar Wolfsgraben (Bezirk St. Pölten-Land) und Rohrendorf bei Krems. In den beiden Gemeinden leben zusammen etwas mehr als 3000 Menschen.

Gültig gewählt wird, wenn auf dem Stimmzettel zumindest eine Partei oder ein Kandidat angekreuzt wird. In Niederösterreich gilt der Grundsatz "Name vor Partei". Demnach gilt die Stimme für die Partei, der ein angekreuzter Vorzugsstimmen-Kandidat angehört, und nicht für eine angekreuzte andere Partei. Bis zu drei Kreuze sind möglich - für eine Partei sowie jeweils einen Kandidaten auf der Landesliste und im Regionalwahlkreis.

Im Gegensatz zur Nationalratswahl werden Briefwahlstimmen am Sonntag mitausgezählt, in "fremden" Wahlkreisen abgegebene Wahlkarten erst danach - dies waren 2013 lediglich 1574 Stimmen. Insgesamt wurden heuer 108.632 Wahlkarten ausgestellt, das sind 7,84 Prozent der Stimmberechtigten. Ein vorläufiges Endergebnis wird am Sonntag gegen 19 Uhr erwartet. Das amtliche Endergebnis wird nach einer Sitzung der Landeswahlbehörde am Donnerstag um 14 Uhr feststehen.

Der harte Kampf
um zehn Prozent

Am Wahltag wird aber bereits um 17 Uhr eine erste Einschätzung möglich sein, sagen Experten. "Anders als bei den Bundespräsidentschaftswahlen haben wir dann in Niederösterreich klare Sicht", sagt der Meinungsforscher Peter Hajek, der auch eine erste Analyse für die drei möglichen "Wahlgewinner" vorausschickt. "Dass Johanna Mikl-Leitner Landeshauptfrau bleiben wird, ist gesichert. Die ÖVP hat aber sehr, sehr tiefgestapelt, deshalb geht es nur um die Frage, ob die Partei bei Wahlschluss himmelhochjauchzend oder sehr zufrieden sein wird mit dem Ergebnis. Aber auch bei der SPÖ wird jeder Zugewinn gefeiert werden. Auch die FPÖ wird in jedem Fall zulegen: Hier ist nur spannend, ob die Causa Landbauer, so wie das in der Vergangenheit in ähnlichen Fällen meistens der Fall war, der FPÖ schadet oder nicht." Für alle Parteien gleichermaßen relevant ist der Kampf um die 96.000 Menschen, die bei der Wahl vor fünf Jahren das mittlerweile aufgelöste Team Stronach gewählt haben. Das sind rund zehn Prozent des Wahlkuchens, die hier frei sind.

Knapp könnte es für Grüne und Neos werden, die laut Umfragen aber über die Vier-Prozent-Hürde kommen und in den Landtag einziehen. Wenn es eine der beiden Parteien doch nicht schafft, hat dies Auswirkungen darauf, ob Landeschefin Mikl-Leitner die Absolute der ÖVP halten kann. Schafft eine der beiden Parteien den Einzug nicht oder wären überhaupt nur drei Fraktionen im Landtag vertreten, würde die Absolute für die ÖVP "billiger" werden. Mit rund 46 Prozent der Stimmen wäre in diesem Fall mehr als die Hälfte der Mandate in Reichweite. Schaffen es Grüne und Neos ins Landesparlament, darf die ÖVP nicht viel von den 50,8 Prozent verlieren, die sie 2013 holte. Bei vier Landtagsparteien bräuchte sie mehr als 48 Prozent für die Absolute.