apa/Georg Hochmuth
apa/Georg Hochmuth

St. Pölten. "Servas", ruft sie und lacht. "Wie geht’s, was machst?" Johanna Mikl-Leitner ist eine offene Frau. Sie plaudert gerne mit den Leuten. Es menschelt in ihrer Nähe. Und das ist zugleich der wesentlichste Unterschied zu ihrem Vorgänger und politischen Ziehvater Erwin Pröll. Während die Menschen vor dem Landesfürsten Respekt zeigten, gehen sie auf Johanna Mikl-Leitner so offen zu, wie die Landeshauptfrau auf sie zukommt.

Seit einem dreiviertel Jahr ist Mikl-Leitner jetzt Chefin im niederösterreichischen Landhaus in St. Pölten. Und wie sehr sich Mitarbeiter und politische Mitstreiter vor seinem Abgang auch ein Arbeiten ohne ihn nicht vorstellen mochten und konnten, so rasch haben sie sich an den neuen Umgangston gewöhnt. "Sie kommuniziert mit uns auf Augenhöhe, jede Meinung respektierend", sagt ein politischer Mitstreiter im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Das Arbeiten sei unkomplizierter geworden.

Unterschätzen darf man die 53-Jährige aber nicht. Mikl-Leitner hat nach einem Wirtschaftspädagogik-Studium, einer kurzen Tätigkeit als Lehrerin Erfahrungen als Unternehmensberaterin, Trainee der Industriellenvereinigung und als stellvertretende Leiterin des Signum-Verlags gesammelt. Dann hat sie das Marketing der niederösterreichischen Volkspartei in die Hand genommen. Das war 1995. Erwin Pröll war damals im dritten Jahr seiner 25 Jahre währenden Amtszeit als Landeshauptmann. Sie hat ihr Wirken modern angelegt und neue Marketingströmungen einfließen lassen. Bei der Landtagswahl 1998 war auf den Wahlplakaten nur noch vom Landeshautmann die Rede, die ÖVP kam gar nicht mehr oder nur noch mit einem gelben V-Hackerl auf blauem Untergrund daher - und das winzig klein. Logisch, hat Mikl-Leitner doch schon 1993 die "Initiative für Erwin Pröll" organisiert.

Und, weil die "Hanni" immer schon "zielstrebig und fleißig" gewesen ist, wie sie ihre Mutter Johanna Leitner beschreibt, wurde sie 1998 Landesgeschäftsführerin. Die niederösterreichische ÖVP-Zentrale könnte man als Elite-Institut zur Ausbildung für Top-Jobs in der Parteipolitik bezeichnen. In der niederösterreichischen ÖVP bleibt nichts dem Zufall überlassen, Botschaften werden vom Landesrat bis zum Gemeinderat durchgetaktet. Die VP-NÖ ist ein Mobilisierungsmotor. Und dafür werden alle Räder geschmiert. So hat sich Mikl-Leitner diesmal mit allen ÖVP-Bürgermeistern des Landes abbilden lassen, damit diese freundschaftlich inszenierten Fotos an jeden Haushalt der 426 ÖVP-Gemeinden (von insgesamt 570) verteilt werden konnten. Sie hat personalisierte Videobotschaften verschickt. Da macht sich der Fleiß wieder bemerkbar.

25 Jahre liegen zwischen ihrer Initiative für Pröll und ihrem ersten Wahlgang als Spitzenkandidatin. Viele Jahre der Ausbildung zum Politprofi. Während ihrer Zeit als Landesrätin (2003 bis 2011) hat sie eine ihrer beiden Töchter zur Welt gebracht. Möglich machte das ihr Ehemann, Andreas Mikl. Er übernahm Hausarbeit und Kindererziehung hauptsächlich und spielte sie damit für ihre politische Karriere frei. Ganz entzieht sich Mikl-Leitner dem Häuslichen aber nicht - ihre Familie ist ihr wichtig, das zeigt sie auch ganz offen.

Immerhin kommt sie selbst aus einer Familie mit vier Kindern. Aufgewachsen ist sie in Großharras, im Bezirk Mistelbach. Das Gymnasium in Laa/Thaya hat sie gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester besucht.

Die härtesten beruflichen Jahre waren sicherlich jene als Innenministerin, ein Job, den sie als "wohl schwierigsten der Republik" bezeichnet hat. Der oder die Innenministerin steht in der Regel bei der österreichischen Bevölkerung und noch mehr bei den Medien im Zentrum der Kritik - im Gegensatz zu den Finanzministern, die meist zum Liebkind der Nation werden.

Im Innenministerium hat sie schließlich auch ihren sehr jungen Staatssekretär Sebastian Kurz unter ihre Fittiche genommen. Das verbindet. Jetzt, da Kurz ÖVP-Chef und Bundeskanzler ist, ist Niederösterreichs schwergewichtiger Einfluss auch im Bund weiterhin gesichert.

Den Unterschied zu Pröll beschreibt am besten ein Satz von ihr, den sie gerne verwendet: "Wir leben das neue Miteinander in Niederösterreich." Es ist eben alles eine Frage des Stils.