Der Klubchef wird Landesrat: Gottfried Waldhäusl. - © apa
Der Klubchef wird Landesrat: Gottfried Waldhäusl. - © apa

St.Pölten/Wien. Eigentlich wäre Gottfried Waldhäusl lieber das geblieben, was er ist: Klubobmann. Am Wahltag lehnte Waldhäusl noch offen ab anstelle von Udo Landbauer in die Landesregierung einzuziehen, und das war, wie zu hören ist, keine Koketterie. Tags darauf sagte er sogar, er wehre sich dagegen "mit Händen und Füßen", um am Dienstag zu verkünden: Wenn es für Land und Partei am besten sei, dann mache er es. Am Donnerstag wurde es nun offiziell: Waldhäusl wird Landesrat.

Loyalität oder Druck der Partei, eines von beiden wird es gewesen sein. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner erwartet nach Landbauers Abgang, mit den Freiheitlichen wieder seriöse Gespräche führen zu können. Ob Waldhäusl in der Regierung allerdings als sachlicher, verbindender Partner fungieren kann, ist angesichts seiner Vergangenheit als Klubobmann aber fraglich.

Der 56-jährige Landwirt ist seit 20 Jahren im Landtag und seit zehn Jahren Klubchef der Freiheitlichen, hat also durchaus politische Erfahrung. Für sein staatsmännisches Auftreten ist Waldhäusl dort aber eher nicht bekannt. Sondern vielmehr für seine scharfen Töne gegen alles, was ihn so stört. Ob Landesregierung oder Ausländer, Waldhäusl tobt mit seinem Waldviertler Zungenschlag durch den Landtag und scheut sich nicht, Abgeordnete vom Redepult aus direkt anzureden und öffentlich zu kritisieren oder lächerlich zu machen, wenn er sich gerade in Rage redet.

"Ein richtiger Rattenfänger"


Da kann es auch schon einmal passieren, dass er den früheren Landeshauptmann Erwin Pröll als "Diktator" oder den früheren Landes-Vize Wolfgang Sobotka unter Hinweis auf dessen "Sucht", Geld durch hohes Risiko zu vermehren, als "Triebtäter, dem das Handwerk gelegt gehört" bezeichnet. In einer Landtagssitzung verwendete er einmal den Begriff "Schwuchteln", als es um Eingetragene Partnerschaften für Homosexuelle ging. Das sei "Umgangssprache", erklärte sich Waldhäusl, als er für seine chauvinistische Aussprache kritisiert wurde.

Als ÖVP, SPÖ und Grüne einen blauen Antrag ablehnten, der chemische Kastration für Sexualstraftäter vorsah, titulierte er sie als "Anwälte von Kinderschändern".

Erste Erfahrungen in der Politik hatte Waldhäusl 1990 im Gemeinderat im Waldviertler Ort Pfaffenschlag in der Region Waidhofen an der Thaya gemacht. Dort sei er weniger durch Gemeindearbeit als durch seine grenzwertigen Wahlkämpfe aufgefallen, erzählen Bürgermeister aus der Region. Wenn er einmal zu weit gehe, sei ihm das "wurscht". Dann sei halt Wahlkampf gewesen, erzähle er dann.

Als Lokalpatriot etabliert


"Er ist ein richtiger Rattenfänger", sagt ein politischer Kontrahent auf lokaler Ebene. "Der Waldhäusl geht nur dorthin, wo er gesehen wird." Er sei jemand, der auf dem Sportplatz des SC Paffenschlag seine Runden drehe und dort politische Reden schwinge oder durch die Wirtshäuser zieht, Lokalrunden springen lässt und dann auf die ÖVP schimpft, "die uns im Stich lässt". Mit "uns" meine Waldhäusl das strukturschwache Waldviertel. Dort hat er sich über die Jahre als Lokalpatriot etabliert. Die zehn Prozent plus für die FPÖ im Bezirk Waidhofen, in dessen Hauptstadt er auch Vizebürgermeister ist, seien vor allem auf ihn zurückzuführen, heißt es. Für sein Fortkommen hätte Waldhäusl aber die Stimmung über Ausländer und Kriminalität zusätzlich angeheizt, was das ohnehin schon mäßige Image des Waldviertels weiter nach unten gedrückt hätte.

"Ich sags denen oben eh immer rein", sei sein Mantra. Nun ist er einer davon. Waldhäusl wird sich in der Regierung wohl mäßigen müssen. Noch ist unklar, welches Ressort er dort bekommt. Der bisherige Dritte, das Team Stronach, bekam Baurecht und Veranstaltungen zugeteilt. Demnach: Zeltfeste, gewissermaßen der Feind des Wirtes. Also auch seiner. Waldhäusl ist Lokalbesitzer. Als Landesrat kann er übrigens wegen Unvereinbarkeit nicht Bürgermeister werden. Damit endet 2020, wenn der Gemeinderat gewählt wird, wohl auch die Amtszeit des Lokalpolitikers Waldhäusl.