Schauspielerin Adele Neuhauser: "Endlich ist das Thema wieder auf dem Tisch." - © Stefan Fürtbauer
Schauspielerin Adele Neuhauser: "Endlich ist das Thema wieder auf dem Tisch." - © Stefan Fürtbauer

Wien. Juliane Bogner-Strauß, Ministerin für Frauen, Familien und Jugend (ÖVP), hat sich festgelegt, wie die "Wiener Zeitung" exklusiv berichtete: Sie unterschreibt das Frauenvolksbegehren nicht. "Für mich gehen die Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden und die flächendeckende Geschlechterquote von 50 Prozent auf allen Ebenen zu weit", sagte Bogner-Strauß.

Für Lena Jäger, Projektleiterin des Frauenvolksbegehrens, ist das "sehr traurig": "Es ist ein Armutszeugnis, wenn man es wegen zwei Forderungen, also nicht mal 25 Prozent der Forderungen, nicht unterschreiben kann." Und als Konsequenz der Ministerin auch nicht nachvollziehbar, findet Jäger und gibt spitz weiter: "Das wäre genauso, wie wenn alle, die mit 25 Prozent des ÖVP-Programms nicht einverstanden waren, oder mit dem jetzigen Koalitionspartner, die Partei nicht gewählt hätten."


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Frauenvolksbegehren
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Breite Unterstützung vieler

Dem Interesse anderer Unterstützerinnen und Unterstützer tut das aber keinen Abbruch, sagt Jäger. 2580 Personen hätten sich am Crowdfunding beteiligt und bisher über 200.000 Euro für die Kampagne gespendet. Darüber hinaus haben sich über 100 prominente Frauen und Männer öffentlich als Unterstützende bekannt.

Und es kommen immer noch neue hinzu. "So wie heute Sarah Wiener, die Starköchin, und auch Daniela Kickl, die Cousine des Innenministers." Warum? "Wenn man die Arschkarte zugewiesen bekommt, weil man kein Y-Chromosom hat, ist das einfach nur inakzeptabel", sagt Kickl.

Das Bekenntnis der Ministerin bringt andere nicht von der Idee, das Volksbegehren zu unterschreiben, ab. Im Gegenteil: Es motiviert einige sogar dazu, ihr Bekenntnis zu den Forderungen des Frauenvolksbegehrens zu erneuern. Auch im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" erklären einige in der Öffentlichkeit stehende Persönlichkeiten, warum sie nach wie vor oder mehr denn je hinter dem Frauenvolksbegehren stehen und es unterschreiben.

Da ist zum Beispiel Schauspielerin Adele Neuhauser. Sie sagt: "Endlich ist das Thema wieder auf dem Tisch." Man könne nicht nur auf die Entwicklungen in der Türkei oder im Iran hinweisen, wo Frauen wegen ihres Engagements für Gleichberechtigung verhaftet werden, und auf die Situation hierzulande vergessen: "Wir sind immer noch nicht an dem Punkt angelangt, wo wir sagen können, es sind keine Ungerechtigkeiten oder Ungleichheiten mehr da."

Unverständnis für Ministerin

Neuhauser sagt auch: "Das Frauenvolksbegehren ist für mich die treibende Kraft, das in Diskussion zu bringen. Deshalb ist es für mich fragwürdig, warum die Ministerin es nicht unterstützt. Hier geht es um grundsätzliche Fragen, eine Diskussionsgrundlage und nicht darum, ob man alles im Detail genauso umsetzt."